SHARDS

Veröffentlichen ihr Debütalbum Find Sound bei Erased Tapes

Das in London ansässige Vokalensemble Shards unter der Leitung von Sänger, Komponist und Produzent Kieran Brunt wird am 30. August 2019 sein Debütalbum Find Sound veröffentlichen. Der bei Erased Tapes erscheinende Erstling ist das Resultat einer kollektiven Erforschung der menschlichen Stimme, was lediglich hier und da mit Synthesizer und Percussion ergänzt wurde. Shards setzen dafür durchweg auf schlichte Metaphern wie Klang und Licht: Sie präsentieren die einzelnen Stücke wie kleine Klanggemälde, die kombiniert ein größeres Gesamtbild ergeben und aufzeigen, was für ein emotionales Wechselbad die ersten Jahre des Erwachsenenlebens oftmals mit sich bringen – es geht um Unsicherheiten, um Begeisterung, um Ängste und deren Überwindung.

Nachdem er 2016 mit Terry Riley gearbeitet hatte, trat das renommierte Londoner Barbican Centre wenig später an Brunt mit der Idee heran, eigens für Nils Frahms Possibly Colliding Festival in jenem Sommer einen Chor auf die Beine zu stellen. Da sich diese ersten Auftritte als großer Erfolg entpuppten, lud Frahm den Briten daraufhin nach Berlin ein, um dort gemeinsam an den Chorarrangements für sein zuletzt veröffentlichtes Album All Melody zu arbeiten. Es folgten weitere Kollaborationen, etwa der Gastauftritt von Shards auf dem letzten Album von Michael Price, Tender Symmetry.

„Die Zahl 12 schien mir die richtige“, berichtet Brunt über die Entstehung der Gruppe, „weil 12 Sängerinnen und Sänger durchaus in der Lage sind, richtig laut zu sein, die Anzahl zugleich noch überschaubar genug ist, dass sich alle Mitglieder untereinander wirklich gut kennen können. Außerdem war mir von Anfang an klar, dass eine großartige Gesangsstimme nicht die einzige Voraussetzung war: Es sollten vor allem Sänger*innen seien, die sehr viel Persönlichkeit mitbringen – und die einfach offen sind für Experimente und komplett neue Dinge.“

„Letztlich kam es so, dass Shards nun fast völlig aus Freunden bzw. Freunden von Freunden besteht. Ich bin dabei ganz bewusst nicht nur an Sängerinnen und Sänger herangetreten, sondern auch an Leute, die ganz andere Projekte und musikalische Interessen verfolgen. So vereint die Gruppe nun auch Komponisten, Instrumentalisten, Folkmusiker oder auch Leute, die sonst als Lehrer arbeiten. Eine bunte, extrem lebendige Mischung, und ich lerne nach wie vor jedes Mal, wenn wir zusammen Musik machen, Neues über meine Mitsängerinnen und Mitsänger.“

Die Tatsache, dass sämtliche Mitglieder von Shards ganz unterschiedliche Einflüsse und Persönlichkeiten einbringen, wollte Brunt auch auf dem nun erscheinenden Debütalbum deutlich machen: Anstatt also auf einen gleichförmigen, durchweg fugenlosen Klang oder absolute Präzision im Studio zu setzen, sind die stimmlichen Unterschiede sogar absichtlich herausgearbeitet. Eine Verneigung vor der Beschaffenheit jeder einzelnen, individuellen Stimme – und zugleich die Einladung, sich die daraus resultierenden Nuancen aus nächster Nähe anzuhören.

Aufgenommen wurde Find Sound im Palazzo Stabile in Italien, einer abgelegenen Künstlerresidenz mit Studio in den Hügeln von Piemont. Während ihrem zweiwöchigen Aufenthalt lebten und arbeiteten Shards unter einem Dach, was ihnen auch ermöglichte, mit verschiedenen Aufnahmetechniken und der Akustik unterschiedlicher Räume zu experimentieren. Ein Großteil des Albums entstand schließlich in einer umgebauten Scheune, die sonst vorwiegend als Malstudio fungiert, sowie in einem 200 Jahre alten Weinkeller unter dem Gebäude. Geschrieben und produziert wurde das Album von Kieran Brunt; zudem übernahm auch Paul Corley (Sigur Rós, Oneohtrix Point Never, Yves Tumor) Teile der Produktion.

Das um ein Haiku-ähnliches Gedicht aufgebaute Titelstück „Find Sound“, mit dem das Album beginnt, markiert einen erfrischenden, fast schon naiv wirkenden Auftakt: Es klingt tatsächlich nach einer Geburt, nach dem Beginn neuen Lebens. „Summer Sickness“ hingegen handelt von Sorgen und schlechter Laune an Tagen, an denen alle um einen herum strahlen und glücklich zu sein scheinen. Die erbarmungslosen Arpeggios des Synthesizers lassen das Stück zwar zuversichtlich und positiv wirken – aber darunter verbirgt sich bei genauerer Betrachtung etwas Beunruhigendes.

„Dissect“ ist einer der eher abstrakten Momente der ersten Albumhälfte: Eine Art Mini-Psychodrama, das sich im Geiste der Zuhörer*innen entfaltet. Der Song geht nahtlos über in „Thoughts“, einen Lobgesang auf den Existentialismus, der davon handelt, wie etwas ganz Kleines – ja, sogar etwas Privates – zu etwas wirklich Epischem werden kann.

Der Titel „Beams“ verweist auf den Moment, wenn man die Wärme der Sonnenstrahlen zum ersten Mal spürt. Zugleich ist es der Track, bei dem der natürliche Klang des Chors durch einen Gitarrenverstärker und verschiedenste Effektpedale (z.B. Hall) am drastischsten verändert und verzerrt wurde, und am weitesten entfernt wirkt. Im Fall von „Lost“ klingen die Stimmen daraufhin isoliert und verzweifelt. Auch „Nebulous“ ist stimmungsvoll und eher düster, wie dunkle Wolkenberge vor einem Sturm. Die daraus resultierende Spannung löst sich schließlich mit „Unrest“: Eines der mutigsten und dynamischsten Stücke des Erstlings, mit dem Shards es schaffen eine explosive Stimmung zwischen Wut und Begeisterung zu erzeugen.

Das verhältnismäßig ruhigere „Inner Counterpoint“ bezieht sich auf einen Moment der Einkehr in der Oper Billy Budd von Benjamin Britten, dessen Arbeiten seit geraumer Zeit eine wichtige Inspirationsquelle für Brunt sind. Den Abschluss formt „I Needed The Sun“: Ein schlichter, ergreifender Moment voller Trauer und Hoffnung.

Shards sind Kieran Brunt, Lucy Cronin, Sarah Latto, Bethany Horak-Hallett, Kate Huggett, Chris Huggon, Jack Lawrence-Jones, Rose Martin, Augustus Perkins Ray, Oli Martin-Smith, Josephine Stephenson und Héloïse Werner.

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