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Martyn Heyne "Electric Intervals"

Der Komponist und Gitarrist Martyn Heyne wurde in Hamburg geboren und hat eine klassische Ausbildung am renommierten Amsterdamer Conservatorium absolviert. Nach der EP Shady and Light (2016), auf welchem er wortwörtlich sein musikalisches Facettenreichtum in den verschiedensten Schattierungen zur Schau stellt, erscheint nun im November sein erstes volles Album Electric Intervals auf dem neuen Label 7K!.

Heyne spielte schon in der Kindheit Gitarre und Klavier – er brachte sich das Spiel selber bei, allerdings eher anhand der Muster und Symmetrien von Tasten und Saiten als nach traditionellen Methoden – und trat bereits mit zehn Jahren mit seiner ersten Band auf. Diese unorthodoxe Herangehensweise hat er sich erhalten und gleichzeitig seine Fachkenntnis durch eine konventionellere musikalische Ausbildung an Hochschulen und Residenzen in den Niederlanden und Irland ausgebaut – ergänzt durch einige prägende Schaffensphasen inmitten von entlegenen, grünen Auenlandschaften. 2009 zog es Heyne dann in die ungebändigte Kreativ-Hauptstadt Europas: Berlin.

Hier widmete er sich dem Recording, seiner Equipment-Sammlung und seinem einzigartigen Lichte Studio gleich neben dem stillgelegten Flughafen Tempelhof. Als er es zum ersten Mal betrat, fiel ihm gleich auf, dass die Wände und Fenster aus Schutz vor dem einstigen Fluglärm auf eine Weise isoliert waren, die den Raum gegen jegliches Geräusch von außen abschirmt. In diesem mittlerweile legendären Studio hat er mit so unterschiedlichen Künstlern wie The National, Nils Frahm, Lubomyr Melnyk, Peter Broderick und Efterklang gearbeitet (mit denen er außerdem ausgiebig getourt hat). Nun ist dort auch sein Debüt-Album entstanden.

Heyne bringt seine Faszination für die Studio-Arbeit auf den Punkt: „Die Zahl der Parameter, die eine Aufnahme bestimmen, scheint unendlich zu sein. Die Stimmung, das Instrument und das Setting, das Mikrofon und der Raum, die Lage, Temperatur, Tageszeit und vieles mehr – all das trägt letztlich zum Sound bei. Die Magie – einmal eingefangen – kann nie wieder genau so reproduziert werden. Das mag als ein Hindernis erscheinen, ist aber tatsächlich genau das, worum es für mich beim Recording geht. Und es ist auch der Grund, weshalb ich niemals Samples oder virtuelle Instrumente benutze.“

Der Opener des Albums zum Beispiel, Carry, ist eine Komposition, die Heyne sorgfältig über einen Zeitraum von sechs Monaten entwickelt hat – die Produktion bestand dabei mehr aus der Arbeit vor dem Mikrofon als in der Nachbearbeitung. Wilde Wide dagegen wurde in einem einzigen Take bei einer frühmorgendlichen Improvisation aufgenommen – ein perfektes Beispiel dafür wie wichtig es sein kann, den Moment einzufangen. 

Heynes Zusammenarbeit mit dem Komponisten Dustin O’Halloran an dessen Emmy-gekrönten Soundtrack für die Serie Transparent und mit dem viel gerühmten Klarinettisten Claudio Puntin als Teil des Duos Set Aglow zeigen die Diversität seiner Arbeit, die er in seinem Sound dennoch mit großer Klarheit umzusetzen weiß. Das Ergebnis ist eine überraschende Debüt-LP, auf welcher er jede Melodie mit Präzision und Meisterschaft eines routinierten Produzenten herausarbeitet: „Je besser ein Instrument klingt, desto mehr will man genau diese Qualität rüberbringen.“

Diese Philosophie prägt das gesamte Album und spiegelt gleichzeitig, wie Heyne zufolge Musik gehört werden sollte: „Ich kann nur zu einem aktiven Zuhören ermutigen, bei dem man Zusammenhänge in der Musik entschlüsselt und neue Verbindungen herstellt – das kann so bereichernd sein.“ Die komplexen Akkordfolgen in Carry, der Einsatz von Stille in Patina und die ansteckende Ruhe in Fårö machen es dem Hörer leicht, näher heranzukommen und Heynes Einladung zu folgen. Aus demselben Grund hat er sich so viele Gedanken über die Reihenfolge der Titel gemacht. Während die meisten Tracks beinahe nahtlos ineinander übergehen, stechen die Beats in Come On deutlich hervor und zwingen den Zuhörer geradezu, sich aufzurichten und hinzuhören, „wie ein Espresso am Nachmittag“.

Im Verlauf von Electric Intervals führt uns Heyne quer durch die Geschichte der elektrischen Gitarre. Das vielseitige Album demonstriert auf faszinierende Weise seinen Anspruch, deren Repertoire weiterzuentwickeln. „Ich denke, die Möglichkeiten der Gitarre sind noch lange nicht ausgereizt.“, so Heyne. Der Weg zur Entdeckung ist dabei kein vorgegebener, wie dieses grenzerweiternde Werk zeigt – der Weg selber ist die Entdeckung.

Artist: Martyn Heyne

Album: Electric Intervals 

VÖ: 17.11.2017

Label: 7K!

Vertrieb: Indigo

Live:

10.12.2017 Berlin - Berghain Kantine


www.martynheyne.com 

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