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Portico Quartet „Art in the Age of Automation“

In eine der gängigen Schubladen gepasst hat der Sound des für einen Mercury Prize nominierten Portico Quartets noch nie: Unterwegs auf der Schnittstelle zwischen Jazz und Electronica, Ambient Music und Minimalismus, hat die Band ihren ganz eigenen, episch-filmhaften Sound mit den drei bis dato veröffentlichten Alben immer weiter ausdifferenziert und verfeinert. Auf das 2007 veröffentlichte „Knee-Deep in the North Sea“-Album folgte 2010 die von John Leckie produzierte „Isla“-LP, woraufhin zuletzt vor fünf Jahren das gleichnamige „Portico Quartet“ (2012) folgen sollte. Nach einer dreiköpfigen Phase unter dem Namen Portico inzwischen wieder als Portico Quartet aktiv, veröffentlicht die Band im August mit „Art In The Age Of Automation“ nun ihr viertes Album bei Gondwana Records, Manchesters erster Adresse für innovativen Indie-Jazz und Electronica.

Nachdem schon die ersten Vorboten gleichermaßen eine Rückkehr zu ihrem hypnotischen Trademark-Sound als auch ganz neue Dinge erwarten ließen, konnten die Fans nach fünf Jahren gespannter kaum sein: Auch deshalb waren gleich alle vier Konzerte, die sie Ende Juni im Londoner Archspace E8 spielen werden, binnen weniger als einer Stunde restlos ausverkauft. 

Aufgenommen zu Beginn des Jahres in den Londoner Fish Factory Studios und abgemischt in den Vox Studios Berlin, knüpfen Portico Quartet mit „Art In The Age Of Automation“ ganz klar an jene Klangwelten an, die sie zuletzt auf ihrem gleichnamigen Album präsentiert haben: filmischer Minimalismus, ihr Markenzeichen, trifft auf elektronische Klänge und Ambient-Flächen, abgerundet durch weitere Trademarks – Jacks grandioses Saxofon-Spiel, Duncans einzigartige Kombination und aus Live- und E-Drums und natürlich auch jene übernatürlichen Klänge des Hang. Eine Mischung, die sich nur schwer greifen lässt, wie auch Jack zugibt: „Ja, unser Sound fällt tatsächlich zwischen viele verschiedene Genres: Jazz, elektronische Musik, bisweilen auch Minimal Music, aber letztlich verschmelzen darin einfach all die Dinge, die wir selbst hören und gehört haben.“ Wie man es von einer Band erwarten darf, die sich mit jedem Release weiterentwickelt hat, beziehen sie sich nicht nur auf Vergangenes, sondern wagen auch dieses Mal den Schritt auf neues Terrain, wie Jack weiter ausführt: „Was die Sounds und die Produktion angeht, haben wir uns dieses Mal sehr viel mehr auf die Details konzentriert. Es sind extrem verdichtete Schichtungen und Texturen, die trotzdem noch immer dieses organische Live-Feeling haben. Wir wollten mehr akustische Instrumente benutzen, sie aber mit modernen Produktionsansätzen und neuen Technologien zusammenbringen, und auf diese Weise etwas kreieren, was schon ganz klar nach uns klingt – aber eben auch neu und aufregend, ja gewissermaßen sogar futuristisch.“ Dieser Ansatz schwingt auch im Albumtitel und im Cover-Artwork von Schlagzeuger Duncan Bellamy (unter seinem Künstlernamen Veils Project) mit. „Das Artwork entstand, als ich damit anfing, Bewegtbilder zu scannen. Das Resultat ist genau das: Während des Scans lief ein Film auf einem Tablet. Insofern ist das Bild letztlich etwas, das der Scanner erst erschaffen hat – was wiederum verbunden ist mit dem Titel dieses Albums.“ Zugleich ist es das Zusammenspiel von Mensch und Elektronik, das „AITAOA“ so einzigartig macht, wenn Portico Quartet ihr neuestes Update vorlegen... 

Portico Quartet eröffnen ihre vierte LP mit dem eingängigen Track „Endless“, der durchaus an den klassischen Sound dieser Band anknüpft, sich dann aber in eine extrem hypnotische Collage aus Streichern, Hang-Klängen, Electronica, Saxofon-Melodien und Bellamys Schlagzeugspiel verwandelt. Zugleich ist damit auch schon die Richtung für das gesamte Album vorgegeben, denn der Sound dieser LP ist immer beides, immer zugleich verwandt mit dem, was man von früheren Portico-Quartet-Releases kennt, aber auch neu und anders, irgendwie größer – und dabei auch detailverliebter. Ihre Vorliebe zum Minimalismus kommt auf „Rushing“ zum Ausdruck, in dessen Verlauf ein Klaviermotiv und ein unwirklich klingendes Vokalsample immer neue Konstellationen ergeben, bis sich alles in druckvollen Beats auflöst. Sehr viel ruhiger dagegen der Downtempo-Titelsong: Hier gesellen sich zum Hang noch ein kompletter Bläser- und Streichersatz, was gegen Ende in ein dichtes Geflecht aus Cellos, Geigen, Saxofonen und Hang-Sounds mündet. Überhaupt spielen Streicher durchgehend eine wichtige Rolle auf diesem Album, weil sie den Kompositionen eine weitere menschliche Note verleihen, wie Jack betont: „Es ist einfach aufregend, mit Streichern zu arbeiten – wenn Akustikinstrumente schließlich das spielen, was man sich vorher am Computer ausgedacht hat. Diese Art und Weise, wie man die Musiker dann dirigieren kann, ist schlicht unmöglich am Computer, was der Aufnahme eine ganz andere emotionale Tiefe und sehr viel mehr Nuancenreichtum verpasst.“ Im Fall von „A Luminous Beam“ ist es ein ansteckender Schlagzeug-Groove, über dem sich Schichten aus Synthesizern, Flöten und Streichern ausbreiten dürfen – während das Saxofon noch eine Ebene darüber nach seinen ganz eigenen Regeln funktioniert. „Beyond Dialogue“ hingegen ist klassischer Portico-Quartet-Sound: Die unwirklichen Hang-Klänge und Jacks Saxofon-Spiel sind die Eckpfeiler in einem hypnotischen Mix, das auf Minimalism und Ambient aufbaut und diese Elemente in ganz neue Regionen überführt. „Current History“ geht eher in Richtung Electro/Urban, bis schließlich das passend betitelte „Lines Glow“ den Schlusspunkt des Albums markiert: Auch hier steht die Saxofon-Melodie im Mittelpunkt einer Komposition, die mit Orgel und Streichern in ein episches, absolut euphorisches Finale mündet. 

Mit dieser vertonten Euphorie meldet sich eine der einzigartigsten und einflussreichsten Bands der britischen Musiklandschaft zurück: Auch ein Jahrzehnt nach der Gründung setzen Portico Quartet alles daran, die Grenzen ihres Sounds immer neu zu definieren...  

Artist: Portico Quartet

Album: Art in the Age of Automation

Label: Gondwana Records

Vertrieb: Groove Attack

Formate: CD/LP/DL

VÖ: 25.08.2017


Live-Termine 2017:

22.7. Sacred Ground Festival

17.11. Hamburg – Überjazz

18.11. Berlin – Radial System


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