SUDAN ARCHIVES

Sudan Archives veröffentlicht Debüt Album “Athena” am 1. November via Stones Throw Records!

Sudan Archives vereint Welten in sich. Sie bewegt sich in ganz unterschiedlichen Sphären. Erstmals auf sich aufmerksam machte sie als Avantgarde-Geigerin, die ihr Instrument durch Loop-Pedale schickte. Doch war das nur ein Aspekt ihres Schaffens: Man kennt sie auch als liebeskranke Songwriterin, als umwerfende Sängerin, als experimentelle Beatmakerin. Ihren zwischen diesen Polen gelagerten Hybridsound hat sie, mit ihren beiden bisherigen EPs Sudan Archives (2017) und Sink (2018) im Gepäck, rund um den Globus live präsentiert, unter anderem auch beim Coachella Festival, dem Pitchfork Midwinter und beim FORM: Arcosanti Festival; auf Tour teilte sie sich die Bühne bereits mit St. Vincent, Ibeyi und Michael Kiwanuka. Die vielen Aspekte ihrer Persönlichkeit greifen auf ihrem nun erscheinenden Debüt Athena wirklich ineinander: Das Ergebnis ist eine psychedelische, magnetische, ganz eigene Interpretation von zeitgenössischem R&B. Komplett anders als alles, was man kennt.

„When I was a little girl, I thought I could rule the world“, heißt es gleich zu Beginn von Athena über den minimalistisch arrangierten ersten Takten des Eröffnungstitels „Did You Know?“. Ihren Glauben an sich selbst und ihre Liebe zur Musik entdeckte sie tatsächlich schon als „little girl“ – und zwar in der Kirche. Als Brittney Parks geboren, wurde sie schon während der Kindheit von allen „Sudan“ genannt; eine Zeit, in der sie mit ihrer Familie in Cincinnati (Ohio) häufig umziehen musste. Halt fand sie nur in der Religion und in der Musik. In der Kirche begann sie schließlich auch, sich mit der Geige zu befassen; sie lernte das Instrument auf eigene Faust, einfach nach Gehör, und schon bald mischte sie in unterschiedlichen Ensembles mit. „Ich weiß noch, wie ich meine Mutter angebettelt habe, mir eine eigene Geige zu kaufen“, berichtet sie. „Und von da an bin ich einfach dabeigeblieben – weil ich darin einen Sinn für mich erkennen konnte.“

Aufgewachsen mit einer Zwillingsschwester, gab man ihr noch eine Sache schon sehr früh: das Gefühl nämlich, immer der „schlechtere Zwilling“ zu sein. Ihr Stiefvater, der einst in der Musikindustrie ein hohes Tier gewesen war, wollte die beiden Schwestern als Teenager sogar zu einem Pop-Duo machen – aber Sudan verpasste die Proben so häufig, hielt sich so wenig an alle abgesprochenen Zeiten, dass dieses Projekt bald wieder ad acta gelegt wurde. Eine wertvolle Erfahrung war es trotzdem: „Die Idee einer Karriere als Künstlerin hat mein Stiefvater ja damit überhaupt erst ins Spiel gebracht.“ Zwar ließ sie dieses erste Projekt hinter sich, wollte es aber sehr wohl als Musikerin versuchen, als sie mit 19 schließlich nach Los Angeles zog. Sie studierte, hatte nebenher zwei Jobs, um die Rechnungen bezahlen zu können, und verbrachte ihre freie Zeit damit, „einfach mit Beats rumzumachen, so schrägen Shit zu produzieren“, wie sie sagt. Eher zaghaft veröffentlichte sie die Sachen auch, damals noch als Sudan Moon: Eine Kombination aus ihrem Spitznamen und der „schönen Mädchenkriegerin Sailor Moon“. Dieses ätherische Element, das ihre auch vom G-Funk inspirierten Lo-fi-Beats schon damals auszeichnete, hört man auch heute noch bei ihren Aufnahmen raus...

Erst als sie die Musikethnologie für sich entdeckt und gelernt hatte, wie sie ihr Geigenspiel mit den eigenen Beatexperimenten zusammenbringen konnte, schaffte sie den Sprung ins nächste Level. Der aus Kamerun stammende Electro-Pionier Francis Bebey zählte dabei zu ihren frühen Inspirationsquellen: „Seine Musik ist so simpel, und die Art, wie er Streicher und Elektronisches verbindet, lässt einen ganz eigenen Vibe entstehen.“ Danach forschte sie auf eigene Faust weiter, entdeckte andere Musiker und Musikethnologen, informierte sich über die Geschichte der Streichinstrumente mit nur einer einzigen Saite, wie sie in Ghana, im Sudan und vielen anderen Ecken der Welt gespielt werden – „was mich voll umgehauen hat“. Inzwischen eine echte Crate-Diggerin mit Ambitionen, immer tiefer in die ethnologischen Zusammenhänge der Musikgeschichte einzutauchen, fand sie so auch ihren neuen Namen: Sudan Archives.

Nachdem sie dann bei einem Low End Theory-Abend in L.A. den A&R von Stones Throw, Matthewdavid, zugleich Gründer von Leaving Records, kennengelernt hatte, dauerte es nicht lange, bis Peanut Butter Wolf sie bei Stones Throw Records unter Vertrag nahm. Schon mit ihrer gleichnamigen Debüt-EP präsentierte Sudan Archives ihren Trademark-Sound: von nordafrikanischen Traditionen inspiriertes Geigenspiel, zeitgenössische R&B-Harmonien, minimalistische Produktionen. Ein Stück wie „Come Meh Weh“ bescherte ihr dann so schnell so viel Aufmerksamkeit (u.a. Lob von der New York Times und von NPR), dass sie das Studium abbrach und sich ganz auf die eigene Musik konzentrierte. So folgte wenig später das zweite Statement, die EP Sink, womit für Pitchforks Jenn Pelly ganz klar das „nächste Level als Songwriterin“ erreicht war – was besonders für die kompromisslose Selbstliebe-Hymne „Nont for Sale“ zutrifft.

Rückblickend fühlten sich diese EPs eher „wie ein Haiku von dem, was das Album ist“, an, so Sudan. Athena sei „viel direkter, viel streitlustiger – und das zeigt auch, wie ich als Künstlerin gewachsen bin. Früher war ich eine Einsiedlerin, die alleine in ihrem Schlafzimmer saß und Beats gebaut hat, aber jetzt schreibe ich zusammen mit anderen Leuten, arbeite mit Producern und Musikern... ich habe gelernt, wie man kommuniziert. Fühlt sich fast schon so an, als wäre ich wieder in der Kirche gelandet.“ Obwohl es für sie zunächst gar nicht so einfach war, den kreativen Prozess zu verändern, einen Teil der Kontrolle abzugeben, öffnete sie sich in den Sessions mit ihren Produzenten – Wilma Archer (Jessie Ware, Nilufer Yanya), Washed Out, Rodaidh McDonald (The xx, Sampha, King Krule) und Paul White (Danny Brown, Charli XCX). Das Album, das aus diesen Sessions entstehen sollte, nachdem sie aus rund 60 Songideen 14 Tracks ausgewählt hatte, klingt sehr viel ambitionierter und anspruchsvoller als die EP-Vorgänger...

Athena handelt von Dualität. Von Gegensätzen. Die Texte wechseln ab zwischen Zartheit und Härte, „wie ein Kampf in mir selbst“. Im Flüsterton von „Black Vivaldi Sonata“ verhandelt sie Fragen von Recht und Unrecht: Indirekt geht es wohl auch um Gott und den Teufel. Auch geht es um Beziehungskonflikte, ein ganz anderes Gegeneinander also: Eine Trennungsphase hinterließ genauso ihre Spuren wie die Tatsache, dass ihre Zwillingsschwester nach jahrelanger Trennung schließlich auch nach Los Angeles ziehen sollte. „Ist schräg, wenn plötzlich dein Zwilling wieder auftaucht und in derselben Stadt wohnt“, sagt sie. „Man fühlt sich mit einem Mal wieder ganz. Doch andererseits werden auch die Unterschiede ganz klar sichtbar, wenn man als Schwestern in einer Stadt lebt. Man versteht sich selbst dadurch besser, wenn man das betrachtet. War schon echt schräger Ying/Yang-Stoff, der da abging.“

Die größte Dualität, mit der sich Sudan jedoch befasste, waren die beiden Pole Selbstwahrnehmung und Außenwahrnehmung. Wie sie sich sieht vs. was andere in ihr sehen. Als „visuelle Parallele“ verweist sie auf ihre Hausschlange. „Er ist so süß, so niedlich, und er will auch keinem wehtun, nur haben trotzdem alle Angst vor ihm. Ich komme damit klar, wenn Männer zu mir sagen, dass ich einschüchternd aussehe. Oder jemand kommt zu mir und sagt: ‘Lächle mal!’ Nur habe ich wirklich überhaupt nichts Einschüchterndes... wer mich kennt, weiß das. Genau genommen bin ich eher schüchtern.“

Zum wuchtigen Orchestersound der ersten Single „Confessions“ macht sie, angetrieben von einem rhythmischen Geigenriff, die Ansage: „There is a place that I call home, but it’s not where I am welcome.“ „Der Song handelt von meinem Umzug von Cincinnati nach Los Angeles, davon, zu wissen, dass man anders ist und das auch zu akzeptieren“, erklärt Sudan. „Alle Fehler, das alles einfach ganz offen auf den Tisch zu legen.“ Im Verlauf von Athena dreht und wendet sie R&B-Harmonien, verwebt sie neu zu einer Narration vom glorreichen Außenseiterdasein. Die Refrains von „Coming Up“ und „Limitless“ halten positive Messages für andere junge Frauen bereit, die sich einsam fühlen. „Ich meine damit diejenigen, die in Beziehungen sind, in denen sie unterdrückt werden und emotional Schaden nehmen. Was ich eigentlich sagen wollte: seid euch eurer Macht bewusst.“

Auf dem Cover ihres Debüts nimmt Sudan Archives die Pose einer griechischen Göttin aus Bronze ein: Gleichermaßen achtungsgebietend und mächtig – gespeist von der Energie ihrer Heldinnen, der Kriegerprinzessin Xena und Sailor Moon – aber auch so verletzlich wie nie, will Sudan, dass die Leute den Blick unter die Oberfläche richten. „Ich bin nackt! Ich habe nichts zu verstecken, alles ist da ganz offen zu sehen.“ Tatsächlich erzählt sie sogar von einem kleinen Zusammenbruch im Studio, als sie gerade die sanfte Trennungsballade „Iceland Moss“ aufnahm („You think I’m soft, like Iceland moss.“).

Das emotionale Kernstück dieses Album ist der Song „Glorious“, der auch zu den persönlichen Lieblingstracks von Sudan selbst zählt. Eingerahmt von einer Marschkapelle und einem knackigen Bass, schichtet sie ihren Gesang zu einem ganzen Heer von Stimmen, um sich schließlich für eine Strophe den Rapper D-Eight aus Cincinnati an die Seite zu holen. „Es ist eine Art Resolution und ein Vorsatz“, sagt sie abschließend. „Ich habe all diese Konflikte durchlebt, habe mich mit mir selbst befasst, habe hinterfragt, was richtig, was falsch ist, und letztendlich geht es doch einfach darum, das eigene Handwerk permanent weiterzuentwickeln, darin zu wachsen und sich um die eigene Familie zu kümmern. Man nimmt also einfach das, was gerade abgeht, und dreht es bis zum Anschlag auf.“

Live-Termine:

12. November 2019 Berlin - Säalchen

13. November 2019 Köln - CBE   

14. November 2019 München - Rote Sonne

Info

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