SOKO

Soko veröffentlicht ihr neues Album "Feel Feelings" am 10. Juli

Feel Feelings heißt das dritte Studioalbum von Soko: Es vereint 12 neue Songs, über deren verträumten, geräumigen, manchmal hochfliegenden Arrangements die Sängerin, Songwriterin und Multiinstrumentalistin von Akzeptanz und Selbstliebe, von den vielen komplexen Zusammenhängen des Lebens, von zahllosen Farbschattierungen und Gefühlsnuancen erzählt und so ein regenbogengroßes Panorama entwirft. Schon mit dem Albumtitel will sie ganz klar auf jenes Kernelement des Menschseins verweisen – auf unsere Gefühle nämlich. Die komplexe Gefühlswelt, die wir in uns tragen. Er kam ihr während der Entstehungsphase des Albums, was selbst eine zutiefst emotionale und einschneidende Erfahrung war, wie sie berichtet.

Bekannt für ihren besonderen Zu- und Umgang mit den eigenen Gefühlen – immerhin wurde Soko für ihre schauspielerischen Leistungen schon zwei Mal für einen César nominiert –, begann die in L.A. lebende Französin und Vegan-Aktivistin die Arbeit am neuen Longplayer, als sie gerade eine einwöchige, intensive Klausurerfahrung mitgemacht hatte: Sie hatte beim Hoffman Institute ein Retreat gebucht. Besagtes Institut ist darauf spezialisiert, psychologische Abläufe zu „dekonditionieren“ – sprich: unliebsame Verhaltensmuster und Routinen, die sich zum Teil schon während der Kindheit herausgebildet haben, aufzulösen, zu entkoppeln. „Man darf da dann nichts von dem machen, was man sonst so tut, um klarzukommen“, holt sie aus. „Also beispielsweise keine Zigaretten, kein Alkohol, keine Drogen – was easy war für mich, schließlich bin ich clean –, aber mehr noch: auch kein Jogging. Kein Yoga. Keine Musik und kein Sex... also überhaupt keine Ablenkungen. Irgendwann stellte ich mir die Frage: Wenn ich nun all diese Kanäle nicht mehr habe, um meine ganze angestaute Energie rauszulassen, was für einen Einfluss hätte das wohl auf meine Musik? Und so fasste ich gleich nach dem Workshop den Entschluss, diese ganze Erfahrung in meine Songs einfließen zu lassen – und sofort die Arbeit am neuen Album zu beginnen.“ Für Soko begann damit ein rund anderthalb Jahre dauerndes Zölibat, eine Phase, in der sie mit fast schon klösterlicher Strenge an Feel Feelings arbeitete. Für sie persönlich war es der größte, euphorischste und aufregendste Durchbruchsmoment ihres bisherigen Lebens.

„Schließlich nahm ich mir vor, keine romantische oder körperliche Beziehung einzugehen... bis zur Fertigstellung des Albums“, berichtet sie weiter. „Die ganze Zuneigung und das ganze Verlangen sollte direkt in die Songs einfließen, und ich wollte diese Gefühle für mich zurückhaben: Um mein Album damit zu füttern und es so großzuziehen, anstatt nach Bestätigung von außen zu suchen – oder nach einem schnellen Kick, um das Verlangen zu zähmen.“

            Ein Großteil von Feel Feelings nahm sie in New York City auf, wo Soko zwischen dem Herbst 2016 und dem Frühjahr des Folgejahres mit vielen befreundeten Gastmusikern arbeitete. Dazu gehörten Patrick Wimberly (Charlift), der die meisten Tracks auch produzierte, Dustin Payseur (Beach Fossils), Sean Lennon, James Richardson (MGMT), Colin Caulfield & Andrew Bailey (DIIV) sowie Meg Duffy (Hand Habits) – und außerdem, in Nebenrollen, noch ein paar weitere Gäste. Fertiggestellt und abgemischt wurde das Album daraufhin in Los Angeles von Chris Coady, bekannt für seine Arbeiten mit Beach House oder auch Slowdive. „Jeden Tag ging ich ganz gewissenhaft ins Studio, obwohl ich bloß ein paar Snippets und Ideen auf meinem Telefon bei mir hatte, also keine fertigen Songs. Früher hatte ich immer schon alles fertig geschrieben, bevor ich ins Studio ging, aber dann sagte mir Patrick Wimberly, dass er Zeit hätte, dass wir eigentlich sofort loslegen könnten – also taten wir das, ohne auch nur ansatzweise sagen zu können, in welche Richtung das gehen sollte! Der ganze Prozess war dadurch vollkommen anders und echt aufregend. So viele Freiräume waren da, und wir konnten zusehen, wie sich das Album nach und nach zu dem entwickelte, was es mal werden sollte… wie dieser Fokus greifbar wurde. Ich habe ganz bewusst darauf geachtet, dass meine Stimme dieses Mal tiefer klingt und androgyner. Der Vibe der neuen Tracks sollte sehr gedrosselt sein: ganz intim, gespickt mit sexy Basslines. Und sogar dieses Hochstapler*innen-Syndrom, das mich früher jahrelang verfolgt hat, blieb mir dieses Mal erspart. Stattdessen fühlte ich mich einfach nur bestens aufgehoben und unterstützt von meinem kreativen Dreamteam aus befreundeten Musikern.“

            Wer nun sagt, dass Feel Feelings sehr viel reifer klingt als die Vorgänger, liegt damit sicherlich richtig. Und zwar nicht bloß, weil es ein Album ist, das bewusst mit alten, vertrauten, ungesunden Mustern und Verhaltensweisen bricht. Nein: Auch, weil es für eine größere Vision, ein Streben nach höheren musikalischen Zielen steht. Und ein deutlicheres Bekenntnis zu einer kollektiven Arbeitsweise ist. „Letztlich wollte ich zum ersten Mal wirklich nur die Musik machen, die ich selbst hören würde. Ich bin ein echter Nerd, was das angeht, und höre meistens im Bett oder im Auto Musik. Und ich denke, dass Feel Feelings am besten in besagtem Bett oder zu einer Spritztour entlang der Küste funktioniert... na ja, vielleicht auch auf einer Playlist mit traurigen Songs, die man seinem Ex zukommen lässt. Es fordert die Leute dazu auf, das Licht ein wenig zu dimmen, zu relaxen. Alles spielt sich zwischen Traum und Bewusstsein ab, zwischen bewusst gesetzten Zielen und dem Loslassen.“ Das Ergebnis etabliert vor allem eine Stimmung: Soko nimmt die aufbrausende, psychedelische Energie ihres zweiten Albums My Dreams Dictate My Reality und verwandelt sie in etwas, das unterschwelliger ist, das eher köchelt, anstatt hochzukochen: leichte Grooves, süßlich, gesättigt, sublimiert. Die vielen Schichten, die Feel Feelings ausmachen, gehen ineinander über, lassen nacheinander die Hüllen fallen...

            „Mir war vollkommen klar, wie sich das alles anhören sollte“, sagt sie weiter, „nämlich: richtig satte, refrainhafte Gitarren, melodische Bassspuren, trockener Drumsound, hübsche Synthies... ich wollte zurück zu meinen Wurzeln und zu meinem jüngeren französischen Selbst. Inspiriert haben mich dabei zum Beispiel die Produktionen von Airs 10 000 Hz Legend und Serge Gainsbourgs Melody Nelson. Beide Alben haben so etwas ganz Simples, was sie sehr sexy macht. Ich habe so viel Zeit damit verbracht, sämtliche Arrangements zu schreiben, diesen oder jenen Teil der Songs selbst einzuspielen (Bass, Gitarre, Keys), aber am meisten Spaß hat mir gemacht, den Sound zusammen mit den anderen zu erweitern. Wenn mal wieder einer meiner Freunde ohne festen Plan im Studio vorbeischaute – einfach so... und kurz danach diese Magie entstand.“

            Was die Songtexte angeht, sei dieses Mal vor allem „der ganze Sex, den ich nicht haben konnte“, ein wichtiger Einfluss gewesen, sagt sie dann und lacht. Während sämtliche Stücke in der selbstauferlegten Beziehungspause entstanden sind, bedeute ihr der Text von „Replaceable Heads“ besonders viel: „Ich war es so leid, immer und immer wieder denselben toxischen Schlag Mensch mit derselben Geschichte zu daten, mit denselben schlechten Angewohnheiten, bloß einem anderen Kopf dazu.“ Ganz anders hingegen „Blasphémie“, das erste Stück, das Soko jemals auf Französisch geschrieben hat: ein melancholischer Entwurf über jene Leere, die eine Trennung nach sich zieht. „Looking For Love“ handelt von einer lustvollen Jagd, nach der perfekten Eroberung, wobei sie ganz klar eine Cruising-Perspektive einnimmt. „Oh To Be A Rainbow“ ist eine gedrosselte und dabei doch tanzbare Gay-Power-Hymne mit viel Soul und schillernden Gitarren, die auch heterosexuelle Mädels betören und umstimmen sollen. Während „Quiet Storm“ das Thema häusliche Gewalt umkreist, ist „Let Me Adore You“ ein Lovesong, der von sinnlicher Erfüllung handelt. „Ich will immer erreichen, dass sie Songs wie klangliche Abbilder der Emotionen funktionieren. Daher versuche ich sicherzustellen, dass die Stücke auch wirklich jeden Aspekt und all meine Gedanken vereinen – und so zum denkbar ehrlichsten Andenken an einen Moment werden.“

Obwohl die erste Aufnahmephase bereits abgeschlossen war, als Soko schwanger wurde und ihr Baby Indigo Blue im Bauch heranwuchs, ist ganz zum Schluss sogar das Kind zu hören: „Das allerletzte, was man auf dem Album hört, ist Indigos Herzschlag – als Schlusspunkt des bittersüßen, shoegaze-haften Abschlusstracks ‘Hurt Me With Your Ego’.“ Gleich beim ersten Ultraschalltermin machte Soko die Aufnahme. „Der handelt vom Eintritt in diesen neuen Lebensabschnitt, in dem ich Mutter sein werde.“

            Hatte Soko schon immer erforscht, was für Fassaden uns umgeben, welche gesellschaftlichen Konditionierungen existieren, um Gefühle zu unterdrücken, so setzt sie diese Erkundung insgesamt auch mit Feel Feelings fort. Sie versteht es als ihre Mission, andere von verschütteten Traumata zu befreien, die sie verfolgen. Sie selbst bringt das ganz leidenschaftlich auf den Punkt: „Dieses ganze Album handelt davon, sich auf die Gefühle einzulassen: Freude, Glücklichsein, Verachtung... auch Angst, Trauer, Wut – der ganze  Thrill, der damit verbunden ist. Feel Feelings handelt davon, ganz offen queer zu sein, wie ein Regenbogen zu sein: die perfekte Mischung aus Regen und Sonnenschein – weil genau das der magische Mix ist. Du brauchst beide Elemente, die richtige Balance, sonst entsteht keine Magie.“

Track Listing – Feel Feelings

1.            Are You A Magician

2.            Being Sad Is Not A Crime

3.            Blasphémie

4.            Looking For Love

5.            Oh To Be A Rainbow

6.            Quiet Storm

7.            Don’t Tell Me To Smile

8.            Replaceable Heads

9.            Let Me Adore You

10.          Now What

11.          Time Waits for No One

12.          Hurt Me With Your Ego

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