Mocky "A Day at United"

A Day at United. Der Titel sagt eigentlich schon alles. Ein Album, an einem einzigen Tag aufgenommen. Keine Proben. Keine zweiten Takes. Einfach nur Mocky & Friends, Instrumente und einige Songs, die Mocky in der Woche vor dem Aufnahmetermin geschrieben hat. Und natürlich dieses Aufnahmestudio. United Recording. Das legendäre unabhängige Studio, das in seinen Anfängen unter anderem von Frank Sinatra finanziert wurde. Ein Zufluchtsort für Künstler auf der Suche nach mehr “kreativer Kontrolle”, oder vielleicht besser nach “weniger kreativer Einmischung”. Denn das hier ist sicher kein Album über “Kontrolle”. Es ging bei diesem Album darum, bestimmte Bedingungen zu schaffen – durchaus auch mit kreativen Beschränkungen – und es dann einfach laufen zu lassen. Die Magie stattfinden zu lassen. Dem “menschlichen Faktor” im Zeitalter der computergesteuerten Präzision seinen Platz einzuräumen. Und so ist es ein Album über den Kampf um die Unfertigheit geworden.

“Ich war immer inspiriert von den Geschichten über die Aufnahmen von Miles Davis' “Kind Of Blue”, sagt Mocky, “als er mit Coltrane und Bill Evans ins Studio gegangen ist und ausgehend von provisorisch auf Papier notierten Melodien ein Album in Echtzeit aufgenommen hat.” Und natürlich hat mich als Schlagzeuger und Komponist auch immer das Art Blakey- Modell des “drummer-bandleader” fasziniert.  Aber nicht, dass sich Mocky, der die Sessions von seinem Schlagzeug aus geleitet hat, mit den Grössen des Jazz vergleichen würde. Er selbst würde sich nie als Jazz-Musiker bezeichnen (genauso wenig wie er sich in seinen elektronischen Berliner Jahren als “Electro-Musiker” bezeichnet hat). Wenn das hier ein Jazz-Album ist, dann eher wegen des Prozesses, aus dem es hervorgegangen ist. Hier gibt es keine Solos – es ist nicht diese Art von Jazz - sondern vielmehr “Jazz als Komposition”.

Der Prozess der Aufnahmen begann mit einem Aufnahmedatum: “Ich dachte 'wow', wir können in 10 Tagen in dieses legendäre Studio? Das gleiche Studio in dem schon Sinatra augenommen hat und Ray Charles das epochale “I Can't Stop Loving You” eingespielt hat? Ok, wer könnte dabei sein? Also begann ich herumzurufen und als jemand wie Miguel (Atwood-Ferguson) zugesagt hatte, konnte ich damit anfangen Melodien zu schreiben, die zu seiner lyrischen Spielweise passten.”

Mocky komponierte die Songs in seinem Kopf – meistens während er seine neugeborene Tochter Lulu im Kinderwagen durch Silverlake fuhr. Er “hörte” die Songs dann erstmals zusammen mit den anderen bei den Aufnahme-Sessions. “Als alle bereit waren, die Noten vor ihnen, die Sticks in meiner Hand, erst in diesem Augenblick überlegte ich mir überhaupt, was ich am Schlagzeug spielen würde. Es war echtes Freestyling, die Songs erstmals in dem Moment zu hören als sie bereits aufgenommen wurden. Völlige Echtzeit.”

Im Rückblick sind sicher die von Mocky monatlich veranstalteten “Mocky & Friends” Nächte auf der Dachterasse des ACE Hotels in Downtown LA die Geburtsstätte dieses Albums. Auch hier ging es darum, mit einer immer wieder neuen Gruppe von Kollaborateuren den Prozess der momenthaften Entstehung von Musik zu feiern. “Ich wollte einen Ansatz wagen, der anders war als alles, was ich auf meinen früheren Alben gemacht hatte”, sagt Mocky. “Anstatt wie sonst fast alle Instrumente selbst zu spielen, spielte ich nur Schlagzeug und liess zu, dass meine Ideen in Echtzeit durch diese grossartige Gruppe von Musikern gefiltert wurden. Wenn man mit Multtitrack und Edits aufnimmt, wird die Absicht einem Konzept untergeordnet, wohlüberlegt und verfeinert. In den United Studios ging es dagegen um kreative Dringlichkeit. Für mich persönlich hat es bedeutet, eines Tages morgens aufzuwachen und am Ende des gleichen Tages ein Album aufgenommen zu haben. Es schien erstmal eine absurde Idee zu sein. Bis ich es einfach gemacht habe.”
Featuring:

Mocky - Drums and Compositions
Miguel Atwood-Ferguson - Viola
Randal Fisher - Tenor Sax and Flute
Joey Dosik - Alto Sax and Flute
Aponte Poro - Congas and Percussion
Nia Andrews - Vocals and Percussion
Lucky Paul - Percussion and Electronics
Deron Johnson - Piano and Rhodes*
Mark De Clive-Lowe – Keyboards and Synths**
Harry Foster - Nylon String Guitar and Vocals ***
Brandon Eugene Owens - Acoustic Bass
* except 7 + 8
**Piano on 8, Rhodes on 7
***Clavinet on 5

Info

Artist: Mocky
Album: A Day At United
VÖ: 9.11.2018

Label: Heavy Sheet
Vertrieb: Morr Music/Indigo

www.mockyrecordings.com

 

Download