Masayoshi Fujita

Der japanische Vibraphonist, Multi-Perkussionist und Komponist Masayoshi Fujita veröffentlicht die zweite Single und den Titeltrack aus seinem kommenden Album Bird Ambience, das am 28. Mai auf Erased Tapes erscheint.

Die zweite Single und der Titeltrack aus Masayoshi Fujitas mit Spannung erwartetem neuen Album Bird Ambience demonstriert perfekt, wie Fujita zum ersten Mal all die verschiedenen Facetten seines musikalischen Schaffens in einer einzigartigen Vision vereint. Basierend auf einem vollständig improvisierten Marimba-Take, verwebt Masayoshi elegant himmlische Chorsamples, die opernhafte Stimme des Erased Tapes-Kollegen Hatis Noit und skelettartige Glitch-Jazz-Drums in Zeitlupe. Dies veranschaulicht seinen sparsamen, aber substanziellen Sound auf dem neuen Album, mit einer Komposition, die zu gleichen Teilen aus Schönheit und Noise besteht, mit viel Raum dazwischen. "Als ich an Bird Ambience arbeitete, hatte ich dieses sehr starke, aber verschwommene Bild im Kopf, das ich einfangen wollte, aber ich musste die richtigen Sounds finden. Es war, wie wenn man versucht, sich an einen Traum zu erinnern, den man gerade hatte, aber er fällt weg und verschwindet", erzählt Fujita.

Single auf Bandcamp einbetten: https://masayoshifujita.bandcamp.com/album/bird-ambience

Streamen und das Album vorbestellen: https://idol.lnk.to/BirdAmbience  

Das außergewöhnliche Album-Artwork wurde vom renommierten Münchner Grafikdesigner Bernd Kuchenbeiser (https://www.kuchenbeiser.de) entworfen.

Auch musikalisch betritt Masayoshi Fujita mitBird Ambience in vielerlei Hinsicht spannendes Neuland. Bisher hat er seine akustischen Soloaufnahmen stets getrennt von den elektronischen Dub-Produktionen, die er als El Fog veröffentlicht hat. Auch zu den experimentellen Improvisationen mit Kollegen wie dem Hamburger Künstler Jan Jelinek gab es eine klare Trennlinie, doch auf Bird Ambience kommen nun erstmals all diese Facetten seines Outputs zusammen, indem er eine in sich geschlossene, absolut ganzheitliche Vision präsentiert. Auch entfernt er sich von seinem angestammten Instrument, dem Vibraphon, auf dem Fujita seine gefeierte Soloalben-Trilogie bestehend aus Stories (2012), Apologues (2015) und zuletzt Book of Life (2018) aufgenommen hatte, und rückt stattdessen erstmals die Marimba in den Mittelpunkt, nunmehr eingerahmt von Schlagzeug, Percussion, Synthesizern, Effekten und Tape-Recordern.

„Man spielt die Marimba ja ganz ähnlich wie das Vibraphon, weshalb dieser Schritt eine natürliche Entwicklung war: Der Einstieg fiel mir sehr leicht, und doch klingen die Ergebnisse vollkommen anders“, so Masayoshi. „Die Klangstäbe der Marimba sind aus Holz, und der Tonumfang ist größer als der eines Vibraphons, was mir eine deutlich größere Klangpalette mit mehr Möglichkeiten beschert. Ich spiele das Instrument mit Bögen und Schlägeln, und gelegentlich manipuliere ich den Sound auch mit Effekten.“

Nachdem er bei seinen letzten Soloveröffentlichungen sehr viel Zeit fürs Präparieren und Planen verwendet hatte, befreit er sich auf Bird Ambience von derlei Vorgaben und schafft stattdessen neuen Freiraum für Improvisation: „Meine oberste Priorität war es, diese Magie einzufangen, die gelegentlich in solchen Improv-Momenten aufflackert“, berichtet Masayoshi. „Es kam daher durchaus vor, dass Mikrofone und Instrumente nicht perfekt aufgebaut waren; alles passierte zwar ganz schnell, sollte sich aber doch als die endgültige Aufnahme entpuppen. Und wenn ich mich doch nicht entscheiden konnte zwischen zwei Takes, dann habe ich mir immer sagt: Nimm einfach den ersten.“

Schlicht und perfekt ausbalanciert, erinnert das behutsame Tempo von Bird Ambience unweigerlich an das Kanso-Prinzip aus der japanischen Wabi-Sabi-Lehre: Jeder Klang, jede Phrase hat hier genügend Zeit, um bewusst aufgenommen und genossen zu werden. Die subtilen, gefühlvollen Kompositionen tragen flüchtige Spuren vom Minimalismus einer Midori Takada, den statisch aufgeladenen Stimmungen eines Mika Vainio, den organischen Klangwelten von To Rococo Rot oder auch der bukolischen Electronica von Minotaur Shock. Dabei dampft Fujita letztlich doch jegliche Kategorien ein – Zeitgenössisches wie Klassisches, Ambient wie zerlegten Dub, kontrollierten Noise genauso wie Jazz-Anflüge – und erschafft so einen atmosphärischen, statisch aufgeladenen Nebel, den er im nächsten Schritt in eine vollkommen neue Form bringt: Er buchstabiert seine ganz eigene Klangsprache aus, ein bislang unbekanntes Alphabet.

Über dem gedrosselten Glitch-Jazz-Beatskelett des eröffnenden Titelstücks verwebt Masayoshi zum Beispiel himmlische Chorsamples mit der Opernstimme von Labelkollegin Hatis Noit und zarten Marimbaklängen: Eine Kombination, die schon sehr gut zeigt, in welche Richtung dieser neue, minimalistische, dabei aber doch druckvoll-gewichtige Sound geht, in dem Schönheit und Noise Seite an Seite existieren dürfen – und dazwischen auch noch sehr viel Freiraum lassen. „Während der Arbeit an Bird Ambience hatte ich immer wieder so ein Bild vor Augen, das jedoch lange verschwommen war“, sagt er über die Inspiration dahinter. „Ich wollte es einfangen, musste dafür aber zunächst die richtigen Klänge finden. Das war ganz ähnlich wie bei einem Traum, aus dem man gerade erwacht ist und ihn nun greifen will: Während man versucht, sich zu erinnern, verlassen einen die Bilder und verschwinden.“

Das Gedicht „You Will Hear Thunder“ von Anna Achmatowa bildet das unsichtbare Fundament der ersten Single „Thunder“, bei der ein grundsätzliches Gefühl von Wärme und Menschlichkeit auf raue, durch Effekte herbeigeführte Verzerrungen der Marimba trifft. Das Gegenstück dazu – „Anakreon“ – wirkt so bezaubernd wie eine verzierte Spieldose: „Inspiration war in dem Fall eine Textildesign-Illustration namens ‘Anakreon’ des Architekten und Designers Josef Frank, die wiederum von einem 3.500 Jahre alten griechischen Fresko eines blauen Vogels inspiriert war“, wie Masa berichtet.

Mit „Cumulonimbus Dream“ eröffnen sich pastorale Weiten, woraufhin das Gewicht der verzerrten Marimba-Tieftöne zurückkehrt: Auf „Gaia“ wirkt dieses Motiv noch gravitätischer, gewichtiger – ein gewaltiges Riff als zutiefst spiritueller Resonanzraum. Das gesättigte „Noise Marimba Tape“ erinnert streckenweise an zu Acid-Linien gestreckte E-Gitarren-Teile, umspielt von vogelähnlichem Gezwitscher, Cartoon-Effekten, vibrierenden, verschwommen wahrnehmbaren Ballaufsetzer-Geräuschen. Ganz anders dagegen die balletthaften Arabesken von „Morocco“, die als filigranes Aufblitzen beginnen und dann kaskadenartig zu einem Crescendo anschwellen.

Auch ans Vibraphon kehrt Masayoshi für einen Moment zurück – auf dem hauchzarten „Miyama No Kitsune“, dem vielleicht klarsten Moment des Albums, der vor allem noch einmal unterstreicht, wie versiert und behände sein Umgang mit diesem Instrument ist. Nachdem er die Zuhörer*innen mit „Nord Ambient“ durch elektrisch aufgeladene Synthesizer-Welten geschickt hat, besticht „Stellar“ mit komplexen Rhythmen: Abgehackte Trip-Hop-Beats, die Fujita dazu einsetzt, um dem Stück eine vollkommen unerwartete Wendung zu geben. Auch hier steht die eingängige Melodie in krassem Kontrast zu den scharfkantigen, gestutzten Beats – was in einer eigentümlichen Anmut zwischen Schroff- und Sanftheit resultiert. Das Album klingt mit den beiden meditativen Stücken „Pons“ und „Fabric“ aus, in denen sich ein Drone ausbreitet, um sich schließlich in den Weiten der Unendlichkeit zu verlieren.

Nach 13 Jahren in Berlin lebt Masayoshi Fujita nun auf dem Land: Sein neues Studio und sein neues Zuhause befinden sich im japanischen Bergdorf Kami-chō in der Präfektur Hyōgo. Es war die Erfüllung eines Lebenstraums, denn er wollte schon immer umgeben von der Natur Musik machen. Obwohl das neue Album bereits vor seiner Abreise aus Deutschland fertiggestellt war, ist schon hier jene Entrücktheit zu spüren, die ein intensives Erleben der Natur mit sich bringt. Man darf also gespannt sein, wie sich die neue Umgebung im ländlichen Westen Japans auf seine zukünftigen Arbeiten auswirken wird.

Veröffentlicht als Doppel-LP, CD und digital, erscheint Bird Ambience am 28. Mai bei Erased Tapes.