LIUN + THE SCIENCE FICTION BAND - TIME REWIND

VÖ: 22.11.2019 via ENJA / YELLOWBIRD RECORDS

„Your album is sooooo killing. Extra extra good. I love it. Congrats, for me it’s an instant classic.“

Kurt Rosenwinkel

„Synthpop für die Menschen von übermorgen.“

Francesco Wilking (Die Höchste Eisenbahn)

LIUN + The Science Fiction Band eröffnet ein neues Kapitel im Katalog von Lucia Cadotsch und Wanja Slavin. „Time Rewind“  klingt nach Urban Music mit dunklen Beats, zeigt die verschlungene Verspieltheit von Jazz und liebt dennoch die Flächen und Hooks des frühen Synthiepop. Was digital, was analog ist, führt in die Irre im musikalischen Labyrinth, aus dessen Mitte klarer Gesang dringt. Flöten, Synthies, Bläser, Streicher aus dem Rechner, aber auch solche aus Holz, Trommeln mit Schweinehaut oder aus Nullen und Einsen: Die Hörenden verlaufen sich genüsslich in diesem Garten, bis das Bild zu flimmern beginnt.

"Remember the name Lucia Cadotsch – you’re going to be hearing a lot of it!“, schrieb der britische „Guardian“ über die Schweizer Sängerin, die seit 17 Jahren in Berlin lebt. Hier hat sie den Nährboden für ihre musikalischen Visionen gefunden. Auch die Pressestimmen zum Münchner Saxophonisten Wanja Slavin überschlugen sich früh, bevor er nach Berlin zog und nebst eigenen Bands auch viele andere produzierte. Cadotsch erhielt mit ihrem Trio Speak Low 2017 einen Jazz Echo, Slavin 2014 nahm den Preis 2014 für „bester Instrumentalist“ nach Hause.  Es ist schon viel passiert für die beiden, bevor wir nun das Debut von LIUN + The Science Fiction Band hören dürfen.

Woher kommt nun dieser Lockruf aus der Mitte des Labyrinths? Aus dem Wald! Denn die Wurzeln von LIUN + The Science Fiction Band liegen in einer abgelegenen Hütte in den Wäldern Brandenburgs, wo 2012 alles begann. Gemäß dem Maya-Kalender sollte die Welt untergehen. Das Duo verbrachte drei Monate damit, Songs zu schreiben, Splatter-Filme zu schauen und auf die Apokalypse zu warten. Das Ende der Welt blieb aus. Und die Aufnahmen, die während des verschobenen Weltenbrandes entstanden, markieren den Anfang einer gemeinsamen Reise. Es ist, wie auf diesem wundersamen Album zu hören, ein verwunschener Weg der Verwandlung, der Neuerfindung und des unablässigen Werden...

„Time Rewind“ lockt im Kern mit einem Freiheitsversprechen. Vielleicht sagt es: Komm, hab keine Angst, lass uns mit der Zeit spielen. Zeit nehmen, Zeit dehnen, Zeit verdichten. Zum einen im Sinne von Time, denn im Jazz bedeutet das auch das sichere Gefühl für Takt und Groove, das man gerade dann braucht, wenn man die Taktgrenzen mal überwindet, verkürzt oder verlängert. Zum andern gilt das auch für die Grenzen zwischen den Geschlechtern, für das Fließen der Figuren von Mann zu Frau oder auch zu den Tieren - viele unbestimmte Wesen geistern durch die Texte von Cadotsch. Sie reflektieren vieles, was sie in den letzten sieben Jahren beschäftigte und manches anders sehen ließ. Zum Beispiel, was Rollenvorbilder betrifft: „Den Song Kiddo habe ich für meine Heldinnen wie Uma Thurman als Kiddo in „Kill Bill“ geschrieben, für Nina Simone oder Peaches, für Erykah Badu, Billie Holiday oder Audrey Hepburn. Für Frauen, die mich auf meinem Weg inspirierten.“

Ist es Zufall, dass Tiger und Katzen durch die Songs rennen? Nicht nur in „Cats“, der ersten Nummer des Albums? Eine ziemlich große Katze steht schon im Bandnamen: LIUN, auf der zweiten Silbe betont, ist der Löwe auf Rätoromanisch, in der vierten Schweizer Landessprache im verwunschenen alpinen Osten, wo die Familie von Lucia Cadotsch herkommt.

Musikalisch sind die Zeitsprünge erst recht zu hören, es sind Tigersprünge, die in der Geschichte etwas reißen, den Hunger der Gegenwart stillen und in Richtung Zukunft sprinten. Das ist ganz schön viel gleichzeitig, selbst für einen Musiker wie Wanja Slavin: „Manchmal fühlte ich mich wie ein Oktopus an einer Kinoorgel, während ich Instrumente einspielte, gleichzeitg arrangierte, produzierte, und dabei auch noch versuchte zu mischen.“

Cadotsch und Slavin haben immer wieder zurückgespult und die bereits aufgenommenen Versionen mit Neuem überschrieben. „Alle Songs auf der Platte sind Remixe von verschollenen Originalen“, sagt Slavin lachend. Space Jazz oder Psychedelic Pop sind als ferne Archive noch hörbar, aber der Sound von LIUN + The Science Fiction Band ist so eigensinnig und betörend, wie nur die Zukunft klingen kann. Jetzt ist sie da. Und sie klingt so unbeschreiblich futuristisch, wie man sie hierzulande selten hört.

Kein Wunder, dass der Weg dahin etwas länger gedauert hat. Das Projekt heißt auch deshalb LIUN + The Science Fiction Band, weil es eine Zeit lang als reines Herzprojekt überlebte. Science Fiction Band, so fühlte es sich zwischenzeitlich an für Cadotsch und Slavin: wie ein Wunsch an die Zukunft, als Band, die es nur in ihrer Vorstellung gab. Doch warum nicht an die Zukunft glauben? Ist das nicht eine der Aufgaben der Musik, etwas anderes als die schnöde Gegenwart für möglich zu halten?

Das heißt nicht, dass nur die gute Laune überlebt. Oft schleicht der Beat so bedrohlich und synthetisch, dass der tiefe Wald von einem nächtlichen Club kaum mehr zu unterscheiden ist. Akustische und künstliche Streicher verfugen sich zu einer dräuenden Dramatik, die in scharfem Kontrast zur Stimme steht. Cadotsch klingt kühl, und doch nah am Ohr. Bei LIUN + The Science Fiction Band zeigt sich der Jazz als Beweglichkeit, als warme Sounds in synthetischem Kontext. Und auch in der Freude an Ambivalenzen.

 „Time Rewind“ ist aufregend, neu, und ständig in Bewegung. „Ich mag Debutalben. Man weiß noch nicht, wer man ist und wohin es geht. Wie Verliebte!“, sagt Cadotsch. Tatsächlich geht es in den Texten auch um Liebe, um Sex und das Spiel in den Zwischenwelten. Die Geigen stehen am Himmel, die Körper kleben am Boden und dampfen. Dazwischen ist viel Platz.

Eins der Wunder von „Time Rewind“ ist, dass das Album unter diesen Druckverhältnissen nie schwer klingt. Die Musik behält ihre Leichtigkeit selbst dann, wenn hinter der prallen Ideenfülle die Ahnung der Gefahr lauert, die dunkle Seite lockt oder der langsame Verfall bereits süßlich riecht. Jede wahre Schönheit weiß um ihr Ende. Hier kehren sie zurück, die unheimlichen und oft langsamen Filme, die sie am helllichten Tage geschaut haben, in den Brandenburger Wälder unter dem Sonnenschirm. Diese Spannung gilt es jetzt zu genießen. Wie im letzten Lied: „ You say that I´m not around / I say I´m here won´t let you down / You watch me flying high above / I say come here let´s make love“.

Live setzen sie diese einfach komplexe, orchestrale klingende, dann wieder minmale Musik mit Dan Nicholls an den Synthesizern (Squarepusher, Matthew Herbert, Strobes und Killing Popes) und Ludwig Wandinger am Schlagzeug um.

Es ist davon auszugehen, dass die Reise auch live weitergeht und die Musik neue Wege sucht. Alles andere wäre ein Wunder. Denn schon auf dem Album schafft sie es, aus den Wäldern rauszukommen und ins Offene zu wandern. Dort, wo der Ozean beginnt und alles möglich erscheint. Kalifornischer klang noch keine deutsche Band.

“This album is a time capsule that captures different states of my personality between 2013 and 2018. It’s a kaleidoscope of memories, thoughts and feelings of the past five years.” - Lucia Cadotsch

“Playing most of the instruments as well as arranging, producing and mixing simultaneously, felt like an octopus playing a cinema organ.”- Wanja Slavin

«Ich bin ein Sammler. Es gibt keinen Stil, den ich bevorzuge. Es geht mir weniger um das Material oder die geschmackliche Einordnung, sondern um die Art, wie man es spielt.» - Wanja Slavin

Live-Termine:

LIUN + THE SCIENCE FICTION BAND

13.10.2019      LEIPZIG Leipziger Jazztage, D

19.10.2019      SALZBURG Jazz & The City, Ö

01.11.2019      DORTMUND Domicil, D        

02.11.2019      HAMBURG Überjazz, D

07.11.2019      ZÜRICH Moods, CH

17.04.2019      MALMÖ SE @ Viktoriateatern, D

LUCIA CADOTSCH SPEAK LOW

11.10.2019      PERIGNAN, Jazzèbre Festival, F

12.10.2019      OUD-TURNHOUT, Jazz Kitchen, BE

17.10.2019      REIMS, Sunnyside Festival, F

21.10.2019      HEIDELBERG, Enjoy Jazz Festival, D

25.10.2019      HEUSDEN-ZOLDER Muze, BE

26.10.2019      UMEÅ Jazzfestival SE

08.11.2019      SARAJEVO, Jazzfestival

19.11.2019      LONDON, Jazzfest, UK

19.02.2020      OSLO, Victorja, NOK

20.02.2020      RÜSSELSHEIM Jazz Fabrik, D

22.02.2020      ZOGLAU, Zoglau 3, D           

15.03.2020      GENF, AMR Festival, CH

29.05.2020      TOGGENBURG, Klang Festival, CH

14.06.2020      ESSEN, Philharmonie, D

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Info

Weblinks

www.luciacadotsch.com

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Neue Single Cats

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