John Carroll Kirby

Der aus L.A. stammende Pianist, Produzent und Komponist wird am 24. April mit My Garden sein erstes Album für Stones Throw veröffentlichen.

Wer an zeitgenössischer Musik interessiert und mit einigen der relevantesten Veröffentlichungen der letzten Jahre vertraut ist, kennt seine Handschrift bereits: Der in L.A. ansässige Pianist/Keyboarder, Produzent und Komponist John Carroll Kirby hat zuletzt unter anderem mit und für Kolleg*innen wie Solange, Frank Ocean, Bat For Lashes, Connan Mockasin, Sébastien Tellier, Blood Orange, Shabazz Palaces, Kali Uchis und Harry Styles gearbeitet. In diesem Frühjahr tritt Kirby nun selbst in die vorderste Reihe, um seine eigenen Geschichten zu erzählen – auf dem neuen Soloalbum My Garden, das am 24. April bei Stones Throw Records erscheint.

Gebürtig aus Kalifornien, wuchs Kirby genau genommen in einem nicht sonderlich musikalischen Umfeld auf – gleichwohl war es seine Mutter, die ihn zu Klavierstunden überredete. So kam er zum Jazz, mit dem er sich jahrelang intensiv befasste, um schließlich an der USC Musik zu studieren – mit dem Schwerpunkt „Komponieren für Big Bands“. Danach ging er immer häufiger mit anderen Künstler*innen auf Tour und machte sich als Session- und Live-Musiker einen Namen an der Westküste...

Anknüpfend an einige der oben genannten Kollaborationen, konzentrierte sich Kirby schließlich auch auf eigene Veröffentlichungen: 2017 erschien das in einem ländlichen Teil von Belize geschriebene und aufgenommene Album Travel. Ein Jahr später dann das Ambient-Album Meditations In Music, das beim Stones Throw-Schwesterlabel Leaving Records herauskam.

Mit My Garden veröffentlicht er nun erstmals einen Longplayer bei Stones Throw: Ein kondensiertes Album, vereint es neun Instrumentals, die allesamt von seiner Heimatstadt Los Angeles inspiriert sind. Reduziert und nie ausschweifend, unterstreichen diese Tracks Kirbys Ansatz, in dem subtile Details und sinnliche Arrangements denjenigen Raum bekommen, den sie benötigen.

Der Eröffnungstrack „Blueberry Beads“ ist das einzige Stück des Albums, bei dem Kirby von einem Gast Unterstützung bekommt, wenn sein guter Freund JP Maramba am Kontrabass aushilft. „Inspiriert ist der Track auch vom japanischen Computer-Jazzer Yoshio Suzuki“, erläutert Kirby. „Ich versuche, etwas Tiefes im Verspielten zu finden... suche das Menschliche in der Technologie. Das Klavier hab ich als Voice Memos mit dem iPhone aufgenommen, und die Flöten sind Samples anstelle eines echten Musikers. So als würde man den Herbie Hancock der späten Sechziger vom humanoiden Roboter Sophia einspielen lassen.“

Ein durchgehendes Motiv von The Garden ist die Liebe zur Natur, die Kirby schon sein ganzes Leben begleitet, wobei ihn besonders das abwechslungsreiche Umland von Los Angeles fasziniert. „Arroyo Seco“ ist nach einem ausgetrockneten Flusslauf bei Pasadena betitelt: das gedrosselte Tempo des Tracks spiegelt dabei Bedeutung und Größe des wasserarmen Namensgebers wider. „By The Sea“ ist ein leichter Küstentrip, inspiriert vom wunderschönen Tamarama Beach in Sydney, wo Kirby dieses Stück aufnahm – übrigens der einzige Track, der nicht in seinem Studio in Downtown L.A. entstanden ist.

Während er mit jedem Titel neue Ecken ausleuchtet, findet Kirby stets die perfekte Balance zwischen Augenzwinkern und Spiritualität. Die Geschichten, die das Fundament seiner Tracks bilden, führen zum Teil weit zurück in die Geschichte des amerikanischen Kontinents – oder sie stammen ganz direkt aus dem Leben des Musikers. Ersteres ist bei „The Son of Pucabufeo“ der Fall, wenn sich Kirby auf die Legende des Schamanen Pablo Amaringo bezieht, der seine von Ayahuasca befeuerten Visionen in beeindruckenden Bildern festgehalten hat. „Der Pucabufeo ist ein pinkfarbener Flussdelfin im Amazonas“, erzählt Kirby, „und die Legende besagt, dass dieser Delfin die Fähigkeit hat, sich in einen ausgesprochen gutaussehenden Mann zu verwandeln, der dann die Dörfer in der Gegend besucht. Er verführt eine Frau und hat mit ihr ein Kind, und dieser Sohn wächst schließlich mit diesem so gut wie nie anwesenden Vater auf, der ja schließlich im Fluss lebt, aber manchmal doch vorbeischaut, um ihn zu besuchen und ihm Bananen oder andere Alimente vorbeizubringen.“

„Eine lustige Geschichte, aber zugleich auch ganz schön traurig. Mein Vater war zwar da, aber so richtig anwesend war er oft auch nicht, weshalb ich mich damit identifizieren konnte. Ist schon etwas schräg und absurd, wenn man die Geschichte zum ersten Mal hört. Bei mir wird daraus ja etwas Lustiges, wenn ich ihn als ‘Versager-Delfin’ darstelle, aber andererseits gibt es so viele Menschen, die ohne einen Vater leben müssen – und darum geht es hier ja auch.“

Das emotional aufgeladene „San Nicolas Island“ ist vom Leben der Indianerin Juana Maria inspiriert – der „Verschollenen von San Nicolas“. „Sie gehörte zum Indianerstamm der Nicoleños auf der Insel San Nicolas. Missionare aus Santa Barbara kamen auf die Insel und verschleppten den gesamten Stamm, ließen dabei aber sie als einzige zurück“, erzählt Kirby. „Sie lebte daraufhin den Großteil ihres Lebens allein auf der Insel, und als man sie schließlich doch noch fand und ebenfalls in die Zivilisation holte, waren alle anderen Stammesmitglieder schon längst tot. Diese Frau war die letzte Überlebende, die letzte, die ihre Sprache kannte, die letzte Stammesvertreterin. Eine faszinierende, traurige, poetische Geschichte ist das, die obendrein eine Verbindung zu der Region um L.A. hat.“

„Ich nehme diese Legenden, Anekdoten und Metaphern und versuche, sie auf mein Leben zu beziehen. Ich will damit vordringen zu Gefühlen, die ich in mir trage – um so anderen zu zeigen, wer ich bin... um mein Wesen damit auszudrücken. Das ist die Intention dahinter.“

My Garden Tracklisting:

1. Blueberry Beads

2. By The Sea
3. Night Croc
4. Arroyo Seco
5. Son Of Pucabufeo 
6. San Nicolas Island
7. Humid Mood
8. Lay You Down
9. Wind

John Carroll Kirby im Web: Instagram | Website

Album preorder: Stones Throw store | Bandcamp

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Surprise Album "Conflict" Hier:

Bandcamp | YouTube | Spotify | Apple Music

www.stonesthrow.com

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