HANIA RANI

Hania Rani veröffentlicht ihr neues Album Music for Film and Theatre am 18. Juni 2021

Auf dem neuen Album Music for Film and Theatre versammelt die Pianistin und Komponistin eine persönliche Auswahl ihrer bisherigen Arbeiten für Film-, Theater- und ähnliche Projekte

Im musikalischen Universum von Hania Rani haben ihre Kompositionen für Film und Theater schon immer einen zentralen Platz eingenommen. Derartige Arbeiten sind ein sehr spannender, wichtiger Teil des kreativen Outputs, in dessen Genuss die Hörer*innen jedoch häufig gar nicht erst kommen: Mal sind es Projekte, die hinterher doch aus irgendeinem Grund nicht stattfinden, oder es handelt sich um Filme oder Theaterproduktionen, deren Musik nie außerhalb jenes anderen Mediums zu hören ist. Angefangen bei ganz frühen Freundschaftsprojekten bis hin zu gleich zwei Soundtracks in Spielfilmlänge, die letztes Jahr erscheinen sollten – ihre Musik für xAbo: Father Boniecki von Regisseurin Aleksandra Potoczek und I Never Cryvon Piotr Domalewski –, hat Hania Rani schon an etlichen Projekten dieser Art mitgewirkt. Jedes einzelne davon markierte einen wichtigen Schritt ihrer Entwicklung als Künstlerin, Komponistin und auch einfach als Mensch.

„Musik für Filme oder Theaterstücke zu schreiben bedeutet für mich, verglichen mit meinen eigenen Projekten, eine komplett andere Art des Arbeitens: Zunächst einmal bedeutet es ja, dass ich mit jemand anderem zusammenarbeite, die oder der die Welt durch die Linse ihrer bzw. seiner jeweiligen Kunst- oder Ausdrucksform betrachtet. Aus genau diesem Grund können derartige Begegnungen auch so spannend sein – sie sind ein Versprechen darauf, etwas absolut Neues zu kreieren, weil sie das Ergebnis des Zusammenwirkens von Leuten aus ganz unterschiedlichen Bereichen sind. Zweitens bin ich davon überzeugt, dass Musik in Filmen wie eine unsichtbare Figur auftritt – ein sonst fehlendes Gefühl, das eine besondere Atmosphäre schafft, einen ganz eigenen Eindruck. Sie soll das Werk nicht illustrieren, sondern es komplettieren. Ich glaube, das ganze Thema ist ein ziemlich heikles Unterfangen, bei dem banale Assoziationen und einfache Lösungen von vornherein ausgeschlossen sind. So fühlt sich das Komponieren für Filmarbeiten für mich wie eine Trainingseinheit an: Lektionen, mit denen ich meine Einbildungskraft schule.“

Allerdings liegt es auch in der Natur derartiger Gemeinschaftsprojekte, dass hin und wieder die persönlichen Favoriten der Komponist*innen doch nicht in der endgültigen Version zu hören sind. An genau diesem Punkt setzt Music for Film and Theatre an, denn das Album ist für Rani der perfekte Rahmen, um darin eine Auswahl ihrer persönlichen Score- und Soundtrack-Favoriten zu versammeln: Sowohl Titel, die es in die endgültige Version schafften, als auch solche, die hinterher nicht Teil der fertigen Produktion waren, weil ein*e Regisseur*in oder Produzent*in anderer Meinung war. Indem sie diese Stücke zu einem Album verschnürt, kann Rani ihren Fans das Material auf ihre bevorzugte Art präsentieren. Für Letztere die Gelegenheit, noch eine andere Seite ihrer Musik kennenzulernen.

„Ich habe sie an einem Ort versammelt: Als Sammlung von wertvollen Gegenständen, die davor jahrelang in der Schublade versteckt waren. Einige davon habe ich schon vor Jahren geschrieben, andere hingegen basieren auf relativ jungen Erkundungen. Ich bin echt sehr, sehr glücklich darüber, diese Stücke jetzt als eigenständiges Projekt veröffentlichen zu können.“

Auch wenn Rani allen Regisseur*innen sehr dankbar dafür ist, dass sie ihr die Möglichkeit gegeben haben, eigene Kompositionen zu den unterschiedlichen Projekten beizusteuern, hänge sie emotional am stärksten an denjenigen Stücken, die sie für ihr erstes „richtiges“ Theaterstück konzipiert hat: Pradziady von Dramaturg und Regisseur Michał Zdunik. Der Titel geht auf den slawischen Ausdruck „Dziady“ zurück, der einerseits die Geister der Vorfahren bezeichnet, aber auch auf vorchristliche Rituale und Bräuche verweist, in denen die Toten verehrt wurden. Essenz dieser Kultrituale war die „Kommunion der Lebenden mit den Toten“, es ging also um das Knüpfen von Beziehungen zu den Seelen der Verstorbenen. „Mein Gefühl sagte mir, dass diese Geschichte nach extrem düsterer und zerbrechlicher Musik verlangte… und zugleich musste es ein Sound sein, der die Vermischung dieser zwei Sphären zum Ausdruck bringen konnte – die Welt der Lebenden und die Welt der Toten. Schließlich entschied ich mich dazu, einen Teil des Soundtracks für ein Streichquartett zu schreiben, allerdings eins mit zwei Celli, einer Viola und bloß einer Geige. Wir machten die Aufnahmen in einem kleinen Haus, das komplett aus Holz konstruiert war, fast ausschließlich aus finnischem Kiefernholz. Ich fand immer, dass dieser Ort eine ganz besondere, unglaublich warme und natürliche Akustik hatte – besonders in der Kombination mit Streichinstrumenten. Der Track, den ich für dieses Theaterstück geschrieben habe, heißt ‘Ghosts’, allerdings tauchte er hinterher doch nicht im Stück auf. Mir aber bedeutet er so viel, dass ich ihn unbedingt auf dieser Compilation unterbringen musste.“

Zu weiteren Höhepunkten des neuen Albums zählen etwa das betörende „Soleil Pâle“, komponiert für eine Zusammenarbeit mit dem Regisseur Neels Castillon und den Tänzer*innen von Alt Take, das melancholische „In Between“ (aus dem Score zum Film xAbo: Father Boniecki) sowie das magische „The Beach“ (aus I Never Cry). Kombiniert ergeben diese Titel ein atemberaubendes Werk von einer Künstlerin, die jetzt schon ihre ganz eigene Handschrift entwickelt und so viel großartige Musik veröffentlicht hat, obwohl sie immer noch ganz am Anfang ihres Wegs steht.

„Ich bin wirklich sehr froh darüber, dass viele Künstler*innen in meiner Musik einen geeigneten Soundtrack für ihre eigenen Arbeiten sehen, schließlich zählt Filmmusik schon immer zu meinen wichtigsten Einflüssen, das gilt für all meine bisherigen Kompositionen. Ich finde darin sehr viel Leben, viele echte Gefühle – und zugleich ist da so ein Gefühl der Freiheit: Frei zu sein von meinen eigenen Denkmustern, von meinen Vorurteilen. Und ich glaube einfach ganz fest an derartige Schulterschlüsse zwischen Künstler*innen. Kollaborationen sind einfach der beste Weg, um etwas wirklich Neues zu erschaffen, das auf einem Mix aus unterschiedlichen Denkweisen, unterschiedlichen Gefühlswelten und unterschiedlichen Ausdrucksformen basiert.“

Bühne frei also für Hania Rani – hier kommt ihre Music for Film and Theatre