Guts "Philantropiques"

Auch auf seinem sechsten Album erfindet sich der Franzose Guts komplett neu: Nachdem der einstige Hip-Hop-Producer zuletzt erstmals mit Band gearbeitet hatte, trommelt er nun eine noch größere Gruppe zusammen – und präsentiert auf Philantropiques seine ganz eigene Definition von Afro-Tropical-Sound.

Ursprünglich hatte Guts geplant, mit seinem neuen Album zu den eigenen Wurzeln zurückzukehren – zum Hip-Hop, zu den Basics des Beatmaking: Zu Samples, Sequencern, Beats. Mit Cuts, Pitches, Filtern zu arbeiten, auf Programmiertes zu setzen, alles auf die Essenz zu reduzieren. Es sollte eine Soloplatte sein, ganz ohne Live-Instrumente, also gewissermaßen das Gegenteil von dem, was er in den drei Jahren zuvor gemacht und gelebt hatte: Den Vorgänger Eternal hatte Guts nämlich mit seiner Pura Vida Band aufgenommen, worauf unzählige Konzerte in ganz Europa folgten, in deren Rahmen sie dieses Band-Erlebnis immer weiter verfeinert hatten. Doch aus der anfänglichen Idee, zum Beatmaking zurückzukehren, wurde schließlich doch nichts – denn Guts hatte eine noch bessere Idee: Viel spannender war es doch, ein Album zu machen, das vollkommen anders klingt, als alle seine bisherigen Aufnahmen. Radikal anders. Experimentell – aber sonnengetränkt. Es sollte ein Sound sein, der den Vibe der südlichen Hemisphäre aufnimmt, von Ländern und Regionen inspiriert ist, die ihm als Plattensammler schon immer wichtig waren. Guts wollte in jene Ecke aufbrechen, auf der auch viele seiner DJ-Sets basieren, und der er selbst schon eine eigene Compilation-Serie namens Beach Diggin’ (Volumes 1-5) gewidmet hat. Das Stichwort lautete: Afro-tropical.

Um diesen Plan in die Tat umzusetzen, trommelte er eine neue Band zusammen: Das Bassspiel von Kenny Ruby, das Schlagzeugspiel von Christiane Prince, Percussion von Cyril Atef sollten das Grundgerüst sein. Dazu Adelaide Songeons an der Posaune und Ben Wolff am Saxofon. Diese Band bildete den Kern der neuen Kompositionen; die Chemie zwischen den Musikern sollte alles prägen – von den Songideen bis zu den konkreten Arrangements. Während die fünf Musiker gemeinsam mit Guts also den Kurs ausloteten, entstand schon bald ein grobes Gerüst im musikalischen Dickicht, in dem allerdings noch sehr viel mehr Raum für Gastbeiträge war: Jowee Omicil, Lameck Macaba, DjeuhDjoah & Lieutenant Nicholson, Vum Vum, Pat Kalla, Draman Dembélé, Pinduca („der König des Carimbó“), die legendäre Nazaré Pereira, Catia Werneck, Black Sage und Mario Canonge schauten allesamt im Studio vorbei und wirkten mit bei den Sessions. Sie steuerten Bläser-Parts bei, Gitarren, Flöten oder Vibrafon. Dazu Keyboards, den hölzernen Sound eines Balafons, und nicht zu vergessen am Mikrofon: Die Stimme sollte das i-Tüpfelchen sein, das die Hütte zum Kochen bringt. Vertonte Gedichte, Lyrics mit Humor... Unterstützt von den All-Terrain-Keyboards des unerschütterlichen Florian Pellissier und in engem Kontakt mit dem portugiesischen Beatmaker Izem, leitete das beeindruckende Quintett, das die Groove-Route verfolgte, den dicken musikalischen Dschungel ein, so dass andere Musiker ins Basislager einsteigen konnten.

So schlagen Guts und seine vielen Session-Mitstreiter Brücken zwischen Brasilien, der Karibik und Afrika. Sie verbinden unterschiedliche Traditionen. Man verliert seine Orientierung zwischen Afro-Trance, dem wummernden Bass, dem Percussion-Strudel. Der Doppeldecker steuert Haiti und die Karibik, zugleich Kamerun und Angola an. Weiter geht’s über die Regenwälder des Amazonasgebiets. Guts selbst sitzt dabei die ganze Zeit am Steuer. Alles zittert, wummert und vibriert. Auf der Außenwand des Fliegers steht in großen, bunten Lettern der Name des Projekts: PHILANTROPIQUES.

Hieß es 2014 noch Hip Hop After All für den seit 1990 aktiven Franzosen, der nach seinen Anfängen als Mitbegründer und Producer von Alliance Ethnik u.a. auch für Big Red oder Svinkels gearbeitet hatte und seit 2007 auf Solopfaden wandelt, widmete er sich schon 2016 dann Electro-Funk, Space-Jazz & Co., als er das vierte Album Eternal mit großer Live-Band aufnahm. Zuletzt hatte er 2017 mit Beach Diggin’ #5 den letzten Teil der bereits erwähnten Compilation-Serie vorgelegt.

Info

Guts «Philantropiques« 

Album-VÖ: 29.03.2019

Label: Heavenly Sweetness

Vertrieb: Broken Silence

Formate: CD/ LP/ Digital


Pre order LP/CD 
Digital / Streaming 


Live-Termine:
10.06.2019 Hamburg l Nochtspeicher    
11.06.2019 Frankfurt am Main l Zoom    
12.06.2019 Köln l Club Bahnhof Ehrenfeld    
13.06.2019 München l Ampere    
14.06.2019 Berlin l Lido    


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