Brandt Brauer Frick

Kündigen neues Album "Echo" an!

Brandt Brauer Frick veröffentlichen ihr fünftes Album „Echo“ am 7. Juni via Because Music!

Als Brandt Brauer Frick im Jahr 2009 ihr erstes musikalisches Statement machten, indem sie mit akustischen Instrumenten an die Energie des Techno anknüpften, sah die Welt noch ziemlich anders aus: Vor zehn Jahren traten DJs noch nicht regelmäßig mit Orchestern auf, und auch an Pianisten als Festival-Headliner war damals kaum zu denken. Von der musikalischen Vergangenheit Berlins und den schummrigen Dancefloors der Metropole inspiriert, bezog sich das Trio mit seinen verschachtelten Beats gleichermaßen auf Minimal-Music-Ikonen wie Steve Reich und Philip Glass und auf jenen Minimal-Techno-Entwurf, wie man ihn von Ricardo Villalobos und dem Label Perlon kannte. Ihr Debütalbum You Make Me Real fungierte denn auch als Brückenschlag zwischen gehobenem Konzerthallen-Ambiente und der verschwitzt-selbstvergessenen Euphorie im Club: Ein Sound, der als erster Vorbote jener jüngsten, sehr erfolgreichen Welle von zeitgenössischer Klassik gelten muss, die mittlerweile zum popkulturellen Phänomen avanciert ist.

Die drei Freunde Daniel Brandt, Jan Brauer und Paul Frick hatten in der Tat nicht damit gerechnet, dass ihr einzigartig-intensiver Sound – letztlich Resultat und Ausdruck ihrer eng verwobenen Arbeits- und Lebensverhältnisse – dermaßen durch die Decke gehen und sich zu einem kulturellen Phänomen ausweiten sollte, in dem Künstlern wie Nils Frahm die Ehre zuteil wird, in der Londoner Royal Albert Hall aufzutreten, während Kollege Jon Hopkins für den renommierten Mercury Music Prize nominiert wird. „Wir hätten wirklich nie gedacht, dass das Interesse an klassischen Instrumenten und besonders an Klavierkompositionen dermaßen riesig werden könnte“, sagt Frick. „Wir träumten damals einfach nur davon, unsere Sachen auf irgendeinem coolen Underground-Label zu veröffentlichen... und wenn man dann bedenkt, wie viele Künstler inzwischen mit minimalistischer Klaviermusik erfolgreich sind, ist das schon aufregend.“

Doch schon You Make Me Real sorgte dafür, dass Brandt Brauer Frick wenig später die ganze Welt bereisen sollten: Der Clip zur ersten Single „Bop“, in dem sie mit Jacketts und Krawatten an diversen Instrumenten herumfuhrwerkten, ließ selbst Kanye West hellhörig werden, der den Track auf seinem Blog weiterverbreitete – so dass sie ihre energiegeladene Liveshow schon wenig später bei renommierten Festivals wie Coachella und Mutek präsentieren konnten. Bei letzterem traten sie zusammen mit dem Mexico State Philharmonic Orchestra auf. Als Nachfolger präsentierten sie 2011 dann eine Remix-Variante unter dem Titel Mr Machine, doch anstatt wie üblich bei ausgewählten DJs klassische Remixes in Auftrag zu geben, arrangierten sie die eigenen Tracks mit ihrem gerade neu gegründeten 10-köpfigen Ensemble kurzerhand selbst neu, wobei sie neben Bläsern und Streichern auch Harfe, Klavier und Percussions einsetzten.

Der Titel Mr Machine hätte dabei treffender nicht gewählt sein können, und überhaupt muss man sagen, dass Brandt Brauer Frick von Anfang an subversiver unterwegs waren, als viele glauben. Aufgrund ihres smart-offiziellen Looks, der gestärkten Kragen und Jacketts, wurden sie immer wieder als ähnlich unterkühlt und steif wie Kraftwerk eingestuft, dabei hatten sie die Anzugsvariante letztlich nur gewählt, weil die sich wie das Gegenteil dessen anfühlte, was damals die Norm war (sagen wir: In schrillen Westen bekleidete DJs). „Wir haben schließlich in Techno-Clubs angefangen, und da fiel man einfach auf, wenn man mit Hemd und Schlips rumläuft“, erklärt Frick. „Daniel war genau genommen derjenige, der mir gezeigt hat, wie man überhaupt eine Krawatte bindet.“

Auch auf die musikalischen Entwicklungen und Trends der letzten Jahre haben sie jedes Mal so reagiert, dass sie in immer neue, in vollkommen unerwartete Richtungen aufbrachen: Ihr 2013 veröffentlichter dritter Longplayer Miami war ein zwischen Noir-Funk und geisterhaften Synthesizer-Sounds angesiedeltes Konzeptalbum, und es klang wohl auch wegen der überraschenden Gästeliste – mit dabei waren u.a. Jamie Lidell, Nina Kraviz, Gudrun Gut und der Frank-Ocean-Produzent Om’Mas Keith – so extrem schlüssig. Auf dem 2016 veröffentlichten Album Joy erfanden sie sich dann wiederum neu, dieses Mal als Postpunk-Band, und holten dafür sogar den kanadischen Dichter Beaver Sheppard als temporären Frontmann dazu. Ein durchaus riskanter Zug also, doch seien sie in jenen Tagen dermaßen angetan gewesen von Sheppard und dessen „attitude“, wie Brandt erzählt, dass sie das Experiment einfach wagen mussten. „Wenn man mit solchen Leuten zusammenarbeitet, dann inspiriert einen das automatisch, auch noch andere spannende Dinge ins Spiel zu bringen.“

Zuletzt haben sich die drei Musiker ihren individuellen Projekten gewidmet: Brandt hat bereits zwei Soloalben bei Erased Tapes veröffentlicht; außerdem ist er Mitbegründer des Web-TV-Channels Strrr.tv. Brauer hat vorwiegend Stücke für Theaterproduktionen und andere Medien komponiert; dazu verbrachte er viel Zeit im Studio und arbeitete als Toningenieur an den Alben von Kollegen. Und auch Frick hat im Jahr 2018 mit Second Yard Botanicals sein erstes Soloalbum vorgelegt. Nun jedoch schließt sich für Brandt Brauer Frick der Kreis: Auf Echo, ihrem neuen Album, laut Brauer „ein Echo dieser 10 Jahre, die wir nun existieren“, kehren sie gewissermaßen zu ihren Anfängen zurück.

„Wir wollten zu dem zurückkehren, womit wir damals angefangen haben“, fügt Brandt hinzu, „nur haben wir in den letzten zehn Jahren einiges dazugelernt und unser Instrumentarium erweitert. Als wir damals loslegten, hatten wir nur ein Mikrofon und ein kaputtes Klavier und haben damit unser erstes Album aufgenommen.“

Echo ist in der Tat verwandt mit You Make Me Real, nur klingen Brandt Brauer Frick heute sehr viel ausgefeilter, satter: perfekt produziert, so fokussiert und druckvoll wie nie. Die Präzision, die Dynamik der Kompositionen ist atemberaubend, wobei das Album auch seine Clubmomente hat – ruhigere Minimalismus-Passagen und gedrosselte 4x4-Beats wechseln einander ab. Diese verschachtelten Arrangements, in denen alle erdenklichen Instrumente aufeinandertreffen, und auch die ungewöhnlichen Beat- und Percussion-Elemente sind nach wie vor da – doch machen sie schließlich den Platz frei für Grooves, denen man sich unmöglich entziehen kann.

Das Ergebnis wirkt nicht selten wie ein Kampf, ein Gefecht zwischen Mensch und Maschine. Den Auftakt macht der Track „Rest“, der sich mit langsamen Streicherpassagen und einer Reihe von maschinenhaften Refrains, die mit Industrial flirten, auf volle Leinwandgröße entfaltet – als ob Licht und Dunkel miteinander ringen würden. Ganz anders „Decades“ und „Masse“: Zwei massive, atemberaubende Hymnen, übergroß, wie für Festivaldimensionen und Laserstrahlen gemacht. Man kann sich der Energie dieser neuen Songs kaum entziehen, weil sie nicht bloß eindringlich klingen, sondern auch unruhig – so rastlos, dass sie einem im wahrsten Sinne des Wortes die Nerven aufreiben. „Fuel“ ist so ein Beispiel: ein knallharter Techno-Track, den Brandt scherzhaft als „Climate-Change-Banger“ bezeichnet. Ohne Frage der härteste Track, den dieses Trio bislang aufgenommen hat. Er klingt wie ein Versuch, sich vor dem drohenden Weltuntergang noch schnell aus dem Staub zu machen.

„Bei einem Großteil dieser aktuellen Neoklassik-Welle habe ich das Gefühl, dass die Musik wie ein Rückzugsort funktionieren soll, als beschaulicher Gegenpol zum alltäglichen Stress“, sagt Frick. „So von wegen: Alle haben permanent viel zu viel um die Ohren, es wird viel zu viel kommuniziert, und was Abhilfe schafft, sind ein paar schöne Arpeggien.“ Brandt Brauer Frick machen das Gegenteil: Sie wollen diese Gefühle unbedingt in ihre Musik integrieren, sie nicht ausklammern. „Wir greifen diese Unruhe dann lieber auf, anstatt sie zu verdrängen“, sagt er weiter. „Wir machen also keine Musik, die einem dabei hilft, alle Probleme hinter sich zu lassen. Es geht im Gegenteil eher darum, die ganzen Aggressionen des Alltagslebens umzulenken und umzuwandeln – in etwas Positiveres.“

Klanglich flirten Brandt Brauer Frick mit verschiedenen Genres, unter anderem auch mit kühlerem Electro-Pop: Der Track „Echoes“ wirkt angespannt und luftig zugleich, wenn die aus Österreich stammende Musikerin und Schauspielerin Anna Friedberg (sonst bei der Londoner Band Friedberg aktiv) ihren verführerischen Gesang beisteuert. Auch auf „Encore“ wird das Trio von einer Gastsängerin unterstützt: Hier ist es Catherine Ringer, die ans Mikrofon tritt. Die Sängerin der legendären französischen Band Les Rita Mitsouko ist neuerdings Label-Kollegin des Trios, denn Brandt Brauer Frick sind inzwischen bei dem französischen Label Because Music beheimatet.

Auch die Tatsache, dass sie nach wie vor unerwartete Klangquellen anzapfen und ungewöhnliche Sounds einbauen, wird angestammte Fans freuen: Auf „Chamber I“ hätten sie, so Brauer, beispielsweise die Aufnahme eines fliegenden Fischs integriert. „Genau genommen ist es ein Fisch aus Holz, der an einem langen Seil geschwungen wird, und das Geräusch hat sehr viel Bass, wie das Summen eine Biene.“ Derartig schräge Details sorgen dafür, dass die Musik von Brandt Brauer Frick immer auch verspielt wirkt, mit einem Augenzwinkern daherkommt: Es ist einfach ihr Humor, der wahrscheinlich viel zu oft missverstanden und als Steifheit interpretiert worden ist.

Genau genommen ist Echo nämlich genau das Gegenteil: Es fühlt sich an wie ein lebendiger, ein aufgeregt atmender Organismus. Ein Gegenentwurf also zu den klinischen Sounds, die man mit jeder Produktionssoftware downloaden kann. „Wenn man wie wir mit Wiederholungen und Loops arbeitet“, sagt Brauer abschließend, „ist es besonders wichtig, dass sich der Song lebendig anfühlt.“ Echo ist genau das: Der klassische Sound von Brandt Brauer Frick, neu gedacht, neu verdrahtet und dadurch grandios mit neuer Energie und neuem Leben gefüllt.