Bibio "Ribbons"

Der britische Produzent und Songwriter Bibio veröffentlicht sein neues Album Ribbons am 12. April via Warp Records. Nachdem er für Phantom Brickworks (2017) durchweg auf sphärische Ambient-Sounds gesetzt hatte, kehrt Stephen Wilkinson, wie Bibio bürgerlich heißt, auf Ribbons zum klarer strukturierten Songwriting zurück, wie man es zuletzt u.a. auf seinem davor veröffentlichten Album A Mineral Love (2016) hören konnte. So setzt er dieses Mal größtenteils auf einen organischen Folk-Einschlag und Akustikinstrumente, verbindet Psychedelic-Einflüsse aus den Sechzigern und Siebzigern mit Soul, Ambient, Electronica und Field Recordings.

Nahezu sämtliche Instrumente, die auf Ribbons zu hören sind, hat der britische Multiinstrumentalist, Produzent und Sänger im Alleingang eingespielt; einige davon – u.a. Mandoline, Geige und weitere Saiteninstrumente – hat er sich erst kürzlich selbst angeeignet, so dass sie nun erstmals auf einem seiner Alben zu hören sind. Während die klangliche Palette dieses Mal vor allem auf traditionellen Instrumenten und Akustikklängen basiert, bezieht sich der Titel Ribbons genau genommen auf jenen Titel der LP, für den er am stärkten auf elektronische Elemente setzt – „Pretty Ribbons And Lovely Flowers“. Hier ist es eine Stimme, digital verändert und dadurch noch eindringlicher, die sich ihren Weg durch eher düstere Klangwelten und eine verzerrte Akkordfolge bahnt. Als direkte Anspielung auf die vielen (analogen) Bänder – ribbons –, die für seine Musik, seine Fotografie und auch für seine filmischen Arbeiten zum Einsatz kommen, hat Wilkinson auch das Album-Artwork gestaltet: Sein Porträt fungiert als Rahmen für eine britische Waldidylle, in der bereits die ersten Hasenglöckchen aufblühen – ausgeschmückt mit den titelgebenden Bändern...

Anstatt auf klassische Beats und Percussion-Elemente zu setzen, sind es bei vielen der neuen Tracks die Melodien selbst, die den Rhythmus vorgeben – ein Beispiel dafür ist die erste Single „Curls“, die schon seit dem 6. Februar erhältlich ist. Ausnahmen bilden Songs wie z.B. „Before“, das von Seventies-Soul inspiriert ist, oder auch „Old Graffiti“, bei dem Bibio die Jazzbesen über die Snare schickt. Auch die verwobenen Gitarrenspuren von Instrumentalstücken wie „Valley Wulf“ bleiben durchweg der Folktradition und dem damit verbundenen Storytelling treu, zwei Elemente, die Ribbons zusammenschweißen. Für ein Stück wie „Ode To A Nuthatch“ kehrt Wilkinson schließlich auch zu seinem Trademark-Sound zurück – Gitarren-Fingerpicking kombiniert mit nostalgischer Tape-Ästhetik –, dabei klingen seine Melodien und sein Harmonieverständnis heute sehr viel reifer und eindrucksvoller als noch vor ein paar Jahren.

Die verschiedenen Folk-Einflüsse, auf die sich Wilkinson im Verlauf von Ribbons bezieht, stammen aus den Sechzigern und Siebzigern – und gleichermaßen aus UK, Irland und Nordamerika. Er bringt den einheimischen Acid-Folk mit den verträumten Melodien aus dem Kalifornien jener Tage zusammen. Auch an seine eigenen früheren Arbeiten, die mehr von J Dilla und Madlib inspiriert waren, knüpft er indirekt an, wenn er selbst zu den Samplequellen der beiden zurückkehrt – u.a. zu Dionne Warwick, Dee Dee Sharp und anderen Soulgrößen aus den Sechzigern und Siebzigern; doch anstatt wie die beiden US-Hip-Hop-Produzenten mit Samples zu arbeiten, packt Wilkinson seine vielen Instrumente aus und verneigt sich vor den Soulklassikern, indem er alles selbst einspielt. Im Verlauf von Ribbons legt sich Bibio letztlich nie auf ein Genre fest, sondern kreiert ganz eigene Spannungsfelder – Räume, in denen er Unbekanntes und Vertrautes miteinander verbindet und sich dabei auf eine Art und Weise neu erfindet, dass man gleichwohl noch immer seine Handschrift erkennen kann.

Info

Artist: Bibio

Album: Ribbons

VÖ: 12.04.2019

Label: Warp

Vertrieb: Roughtrade

www.bibio.co

www.warp.net

Album Pre Order - https://Bibio.lnk.to/Ribbons

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