Beabadoobee

Debüt Album Fake It Flowers am 16. Oktober

Beabadoobee, eine der spannendsten Newcomerinnen aus UK, veröffentlicht ihr mit Spannung erwartetes Debütalbum Fake It Flowers am 16. Oktober via Dirty Hit.

„Ich bekomme andauernd Nachrichten von irgendwelchen Mädels, die aussehen wie ich mit 15, und die mir schreiben: ‘Du bist der Grund, weshalb ich jetzt auch Gitarre spiele!’“, erzählt Beabadoobee, sichtlich stolz und mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Als junge Musikerin mit britisch-philippinischen Wurzeln ist sie in der Welt der Indie-Acts ganz klar eine Ausnahmeerscheinung. Die vielen Teenager-Girls (und auch alle anderen Fans) sind vor allem deshalb bei ihr gelandet, weil Beabadoobee einfach weiß, wie man die eigenen Ängste mit einem Augenzwinkern kombiniert – ohne die Hooks dabei aus dem Blick zu verlieren. Kein Wunder, war sie als gerade mal 20-Jährige doch selbst bis vor Kurzem noch ein Teenie…

„Ich finde das echt herzerwärmend: zu wissen, dass ich ihnen in irgendeiner Form helfen und etwas dazu beisteuern kann, dass sie sich nun besser in ihrer Haut fühlen. Mich macht das echt glücklich.“ Vermutlich war das ganze Teenie-Mädel-Feedback auch mit dafür verantwortlich, dass sie ihr Debütalbum Fake It Flowers insgesamt als eine „weibliche Platte“ bezeichnet – als Album, das gewissermaßen die feminin-wütende Tradition von aufgebrachten Vorläuferinnen wie Alanis Morrissette oder Dolores O’Riordan fortschreibt, das an das Werk von Bands wie The Breeders, Veruca Salt oder The Cranberries anknüpft. „Ja, es ist ein Album, zu dem Mädchen weinen und tanzen und ihre Wut rauslassen können. Unterm Strich geht es wohl darum, wie krass nervig es sein kann, ein Mädchen zu sein.“

Die letzten Teenager-Jahre im Leben von Bea Kristi (so lautet ihr bürgerlicher Name) waren alles andere als gewöhnlich. Der erste Song, den sie jemals schreiben sollte, war gleich ihre erste Single: Der zuckersüße und dabei doch vernichtende Akustiktitel „Coffee“, den sie 2017 bei Soundcloud hochladen sollte – und der sich schließlich als Viral-Hit entpuppte. Also legte sie wenig später ein in Eigenregie veröffentlichtes Tape mit vier Tracks nach, unterzeichnete dann bei Dirty Hit, dem Label von The 1975, und veröffentlichte im Jahr drauf noch eine EP. 2019 schickte sie mit „Loveworm“ und „Space Cadet“ noch zwei weitere EPs hinterher, tourte mit Indie-Pop-Sensation Clairo durch die Staaten und bekam im NME die Titelgeschichte, in der sie als „vernichtend cool“ bezeichnet wurde. Ins Jahr 2020 startete sie dann mit einer Nominierung als „Rising Star“ bei den BRITS und stand auch auf der „Sound of 2020“-Liste der BBC; dazu trat sie bei den NME Awards und im Vorprogramm von The 1975 auf – in der O2 Arena. Auch danach wurde es nicht ruhiger, denn „Coffee“ nahm wenig später eine Art Eigenleben an: Als Sample in Powfus „Death Bed“, was dank TikTok zu einem Top-20-Hit in 27 Ländern werden sollte. Zuletzt kehrte Bea dann in ihr Elternhaus in West-London zurück, um in ihrem alten Zimmer, in dem vor drei Jahren alles anfing, dem Debütalbum den letzten Schliff zu verpassen – und überhaupt die ganzen Erlebnisse ein wenig sacken zu lassen.

Bea kam im Jahr 2000 in der philippinischen Hafenstadt Iloilo City zur Welt. Ihr Vater, der selbst noch in den Slums aufgewachsen war, hatte sich zum Handelsvertreter für ein Pharmaunternehmen hochgearbeitet. Nach ihrem zweiten Geburtstag zog Beas Mutter dann nach Großbritannien, wohin sie und ihr Vater ein Jahr später folgen sollten. Im Westen von London fühlte sich Bea oft als Außenseiterin, insbesondere an der größtenteils von Weißen besuchten katholischen Schule, wo sie von den anderen Mädchen häufig ausgegrenzt wurde. Mit 14 fand sie Trost in den Indie- und Alternative-Bands, die ihre Mutter hörte – u.a. The Cranberries, The Smiths, dazu auch philippinische Gruppen wie Itchy Worms oder APO Hiking Society. Außerdem tat sie gerne so, als wäre sie in der Generation davor Teenager gewesen – weshalb sie u.a. anderem Kassetten hörte, natürlich stilecht im Walkman.

Schließlich fand Bea doch noch Freunde, und so ließ auch der erste Ärger wegen Drogenexperimenten und durchgemachten Nächten nicht lange auf sich warten: „Das einzige, worauf ich mich in der Zeit wirklich verlassen konnte, waren meine Freunde – und die Musik, die wir zusammen hörten. Den ganzen Scheiß, den wir zusammen gemacht haben“, erzählt sie. Das alles sollte sich schlagartig nach dem ersten Schulabschluss ändern: Bea flog von der Schule und musste sich nun nach einer anderen Oberstufe umschauen. Ihre Zukunft war an dem Punkt mindestens ungewiss – aber „das war einer der besten Sommer, den ich je hatte“, sagt sie rückblickend. „Es war so toll mit meinen Freunden, obwohl es auch eine ganz schön ungesunde Zeit war, echt verwirrend – schließlich hatte ich keine Ahnung, was ich mit meinem Leben anfangen sollte. Bis zu dem Tag, an dem mein Dad mit einer Gitarre nach Hause kam. Das war der Hoffnungsschimmer.“ Und der Startschuss.

Nachdem sie sich auf eigene Faust beigebracht hatte, wie man „Kiss Me“ von Sixpence None the Richer spielt, schrieb Bea auch schon ihren ersten eigenen Song – „Coffee“. Ein extrem simples Stück, das wehtut, weil es zum Ausdruck bringt, wie sie sich damals gefühlt hat. Schon in diesem ersten Song wurde ein Ansatz sichtbar, bei dem es vor allem darum geht, zum Kern einer Sache, zum Kern eines Gefühls vorzudringen – weshalb sie selbst über den Song sagt, „der ist soo rein“. Alles, was danach passiert ist, teilt Bea in Phasen ein, die nach ihren jeweiligen Haarfarben benannt sind: Ihre Debüt-EP „Lice“ war z.B. die „reine, unschuldige Bea“: Ungefärbter Naturton. Beim akustischen Nachfolger „Patched Up“ hatte die burgunderrote Phase begonnen. „Das ist so eine Bea, an die ich anknüpfen wollte, weil da alles noch so unschuldig war; ich war von allem fasziniert – und ich hörte damals viel Daniel Johnston. So eine gute Zeit war das!“ Als sie dann Anfang 2019 die EP „Loveworm“ veröffentlichte, hatte sie feuerrote Haare – und hörte dazu vorwiegend Sub-Pop-Platten aus den Neunzigern. In ihren Songs verhandelte sie ihre Beziehung und zeigte dabei vor allem die eigene Verwundbarkeit.

Ende des Jahres kam „Space Cadet“: ein selbstbewusstes, inzwischen blauhaariges Statement, mit dem sie sich auch vor dem Pavement-Frontmann Stephen Malkmus (und Area 51-Memes) verneigte (Malkmus tauchte schließlich bei einer ihrer Shows auf, um sich die Ode auch live anzuhören). Ihr Sound war nun schon deutlich größer, wobei auch schemenhaft-verzerrte Gitarren immer mehr Platz einnahmen. „Bei ‘Space Cadet’ war ich so drauf, dass ich mir sagte: ‘Ich weiß zu 100%, was ich will. Das bin ich!’ Aber wenn ich heute zurückdenke… nein“, lacht sie. „Das war die Art von Musik, die ich immer machen wollte. Ich hatte eine Band und ich war so selbstbewusst und so stolz. Ich war happy damit. Und dann ging’s auf Tour und da hab ich’s dann komplett versemmelt. Das hat mich ein bisschen, na ja, nicht richtig aus der Bahn gehauen, aber ich kannte diese Art der Aufmerksamkeit auch einfach noch nicht.“ Nach der Rückkehr von besagter Tour schrieb sie ihr Debütalbum Fake It Flowers: ein grobkörniges, extrem persönliches Grunge-Album, das zurückliegende Traumata umkreist. Ein Longplayer, der deutlich reifer klingt als alles davor.

Den ersten Vorgeschmack lieferte sie schon im Sommer mit der Single „Care“: Ein Stück, das auf den ersten Blick gar nicht sonderlich abgründig wirkt; man ahnt kaum, dass es um eine traumatische Erfahrung geht. Bea selbst vergleicht die Stimmung mit „Filmen aus den Neunzigern, so als ob man gerade den Highway hinunterfahren würde.“ Konkret geht es um eine Sache, die Bea einfach nicht vergessen kann, wobei der druckvolle Refrain wie ein Befreiungsschlag klingt: „Cause you don't really care, care, care!“

„Im Grunde genommen bringe ich damit meine Wut auf die Gesellschaft zum Ausdruck – beziehungsweise auf Menschen in meinem Umfeld, die mich eigentlich gar nicht kennen und denen alles egal ist. Ich will halt nicht, dass sie verdammt noch mal Mitleid mit mir haben! Ich will nur, dass ihr versteht, was ich durchgemacht habe…“

Ihre Wut hört man beim „Emo Song“ sogar noch deutlicher heraus – ein Song, der „ziemlich gut zeigt, warum ich Typen eher selten über den Weg traue, und wie ich damit zu kämpfen habe.“ Auch sonst klammert sie kein Thema aus: „Charlie Brown“ handelt von dem Zwang, sich selbst zu verletzen, während das luftige „Worth It“ von Untreue in ihrer Beziehung handelt.

Das gesamte Album entstand, wie schon ihre allerersten Tracks, im Kinderzimmer bei ihren Eltern: „Irgendetwas haben diese krummen Wände dort, diese seltsamen Gerüche, ja, und die Tom-Hanks-Poster auch – und das löst bei mir sofort so einen Reflex aus. Sobald ich dieses Zimmer betrete, muss ich einfach loslegen und einen neuen Song schreiben.“ Sie habe sich bewusst mehr Zeit gelassen, um wirklich tief in die eigene Geschichte eintauchen zu können, sagt sie weiter. „Die Fehler, die ich auf der besagten Tour gemacht habe, die passen zu Dingen, die mir passiert sind, als ich noch kleiner war“, berichtet sie. „Da war ein Muster zu erkennen. Also ging ich weiter zurück und kramte echt düstere Sachen hervor.“ Das Songschreiben wurde so zum Ventil für die „traumatischen Dinge“, die sie als Kind erlebt hatte. „Ich versuche immer noch, darüber hinwegzukommen – meine Therapie und mein Umfeld helfen mir dabei. Das alles wird wohl noch etwas Zeit brauchen, aber der Schreibprozess hat mir schon sehr geholfen. Jeder dieser Songs ist dermaßen persönlich, dass ich echt Schiss habe, sie mit dem Rest der Welt zu teilen.“

Fake It Flowers ist ein mutiges Albumstatement, auf dem Bea ihre Fehler ganz offen eingesteht. Man merkt immer wieder, wie nah am eigenen Leben die Stücke angesiedelt sind: Den Gesangspart der Indie-Hymne „Sorry“ zum Beispiel hat Bea aufgenommen, als sie „gerade voll emotional drauf war – echt den Tränen nahe. Ganz viel Gefühl steckt da drin, und das hört man auch an meiner Stimme.“ Das Stück „Yoshimi Forest Magdalene“ entstand in einem einzigen Take, und auch hier sollten alle Fehler bewusst so bleiben, wie sie waren. „How Was Your Day“ nahm sie bei ihrem Freund im Garten mit einem Vierspurgerät auf, als ihr Studio zu Beginn des Lockdowns gerade geschlossen worden war. „Das Hundegebell ist da zu hören, weil sein Hund nun mal gerade bellen musste“, lacht sie.

Den Lockdown hat Bea einerseits genutzt, um das Album fertigzustellen; andererseits hatte sie viel Zeit zum Nachdenken über die ganzen schwierigen, persönlichen Dinge, die sie in den neuen Songs verarbeitet hat. „Manchmal bin ich echt überdreht, und ich denke mal, dass ich deshalb auch so viele Fehler mache“, sagt sie. „Doch ich bedauere sie nicht – denn nur durch diese Fehler habe ich so viel gelernt. Ich habe gelernt, die Dinge etwas ruhiger anzugehen, auch zurückzuschauen, und alles überhaupt wahrzunehmen und zu würdigen.“ Wie also würde sie diese jüngste und blonde Phase beschreiben: „Bea mit blonden Haaren, das ist die erwachsene Bea. Keine Spielchen mehr. Die ernste Bea. Ich bin immer noch unreif und ein bisschen naiv; ich bin jung und weiß auch nicht so genau, was zum Teufel ich hier eigentlich mache. Aber hoffentlich können die Leute erkennen, dass ich dazulerne und wachse – und dass dieses Album genau dafür steht.“

Die auf den Philippinen geborene und in London aufgewachsene Bea Kristi macht seit dem Jahr 2017 unter dem Namen beabadoobee Musik. Obwohl sie erst im Juni ihren 20. Geburtstag feiern konnte, hat sich die Sängerin in den letzten zwei Jahren mit ihren DIY/Bedroom-Popsongs eine riesige Generation-Z-Fanbase erspielt. Schon ihre erste Single „Coffee“ bescherte ihr binnen weniger Tage hunderttausende Streams (Auslöser war ein Fan-Video!), um zuletzt als Sample in Powfus TikTok-Hit viral zu gehen und somit auch die internationalen Charts zu überrollen.

Zu Beginn des Jahres hat Bea bereits eine Stadiontour durch Großbritannien absolviert, als sie ihre Labelkollegen von The 1975 im Vorprogramm begleitete – inklusive zwei ausverkauften Stadionkonzerten in der Londoner O2 Arena. Kurz vor dem Jahreswechsel hatte sie eine erfolgreiche US-Tour mit Clairo absolviert und war Headlinerin der ausverkauften „Dirty Hit“-Tour gewesen. Mit „Space Cadet“ hatte sie kurz davor ihre dritte EP vorgelegt, nachdem 2018 und 2019 schon die gefeierten EPs „Patched Up“ und „Loveworm“ via Dirty Hit erschienen waren. Ihr mit Spannung erwartetes Albumdebüt Fake It Flowers erscheint am 16. Oktober.

Lob für Beabadoobee

Phenomenal- Vogue

The spirit of Pavement's Stephen Malkmus has regenerated itself in 2020 as a bleach-haired teenager - Dazed

“galaxy-class starry-eyed swoon-pop” - The Guardian

“Beabadoobee provides a score to the lives of her teenage fans… she gives ‘90s alt-rock a cinematic sheen” - The FADER

“Intimate, close confessional vocals matched with stargazy guitars… a DIY sense of rawness, unaffected by industry bullshit or concerns over streaming algorithms” - i-D

“A bedroom-wall-of-sound classic… built to echo on infinite repeat” - New Yorker